Kolumbien lieferte mächtigen Drogenboss an USA aus

7. Dezember 2004, 16:53
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Chef des Cali-Kartells auch wegen Geldwäsche angeklagt

Bogota/Miami - Kolumbien hat einen der mächtigsten Drogenbosse der Welt unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen an die USA ausgeliefert. Der Chef des Kartells der kolumbianischen Großstadt Cali, Gilberto Rodriguez Orejuela, traf am Samstag in Florida ein. Dort und in New York ist er wegen Drogenhandels und Geldwäsche angeklagt.

Der bevorstehende Prozess gilt als einer der größten seiner Art in der Geschichte der USA. Vor seiner Festnahme im Jahr 1995 soll der Drogenbaron nach Erkenntnissen der US-Behörden 30 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt haben. Noch in der Haft soll er demnach Operationen des Cali-Kartells gesteuert haben.

Ein von einem Militär- und Polizeikonvoi begleitetes und aus der Luft überwachtes Panzerfahrzeug brachte den herzkranken Rodriguez Orejuela, genannt "Der Schachspieler" zunächst vom Hochsicherheitsgefängnis La Picota in Bogota zu einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe des internationalen Flughafens der Hauptstadt. Von dort aus wurde er dann - eskortiert von Beamten der US-Anti-Drogen-Behörde DEA - an Bord eines Flugzeugs der US-Regierung nach Miami geflogen.

Die Köpfe des Drogenhandels

Der kolumbianische Präsident Alvaro Uribe hatte der Auslieferung am 8. November zugestimmt. Der Drogenboss muss sich in den Vereinigten Staaten wegen Drogenschmuggels in die USA und Geldwäsche verantworten. Der 64-Jährige und sein Bruder Miguel gelten zusammen mit dem vor elf Jahren getöteten Pablo Escobar als die Köpfe des Drogenhandels in Kolumbien. Miguel Rodríguez Orejuela wurde ebenfalls 1995 gefasst und soll auch in die USA ausgeliefert werden.

"Der Schachspieler" war nach seiner Festnahme zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Entscheidung eines Richters, Rodriguez Orejuela nach sieben Jahren und drei Monaten im November 2002 wegen guter Führung freizulassen, löste einen Skandal aus. Vier Monate später wurde er erneut gefasst.

Obwohl die kolumbianischen Behörden das Cali-Kartell als zerschlagen betrachten, sind die US-Behörden der Ansicht, dass die Organisation weiter ihr Unwesen treibt. Vor ihrer Verhaftung 1995 sollen die Gebrüder Orejuela für 80 Prozent der Kokainproduktion in Kolumbien verantwortlich gewesen sein. Kolumbien ist weltweit der größte Kokain-Produzent; größter Absatzmarkt sind die USA. (APA)

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