Betriebsrat: Verhandlungen bei Opel kurz vor der "heißen Phase"

8. Dezember 2004, 17:56
posten

Zeitung: 7500 Mitarbeiter wechseln in Transfergesellschaften

Düsseldorf - Die Verhandlungen über den Stellenabbau bei Opel stehen nach Einschätzung der Arbeitnehmerseite kurz vor ihrer entscheidenden Phase. Derzeit werde über eine "Teillösung" verhandelt mit dem Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern, sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Samstag der Nachrichtenangentur AFP in Düsseldorf. Dabei gehe es um die Ausgestaltung einer Beschäftigungsgesellschaft sowie die Höhe eines Abfindungsprogramms. Abschließende Ergebnisse gebe es aber noch nicht. "Ich gehe davon aus, dass wir in der kommenden Woche in der heißen Phase sind", fügte Franz hinzu.

7500 Beschäftigte in Transfergesellschaften überführen

Nach Informationen der Branchenzeitung "Automobilwoche" könnten im Zuge eines möglichen Kompromisses 7500 Beschäftigte in Transfergesellschaften überführt werden. Statt der Massenentlassung von rund 10.000 Opel-Mitarbeitern werde es eine Regelung "auf freiwilliger Basis" geben, berichtete das Blatt unter Berufung auf Verhandlungskreise am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe.

Demmach solle ein kleinerer Teil der Mitarbeiter in den Werken Bochum und Rüsselsheim abgefunden werden beziehungsweise in den Vorruhestand wechseln. Die in die Transfergesellschaften überführten Beschäftigten sollten dort für 95 Prozent des Lohns zwei Jahre lang umgeschult werden. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gebe es nicht, hieß es in dem Bericht weiter.

Bestandsgarantie

Das Management der Opel-Konzernmutter General Motors (GM) ist laut "Automobilwoche" grundsätzlich auch zu einer Bestandsgarantie bis zum Jahr 2010 bereit. Der Chef von GM Europe, Fritz Henderson, sagte der Zeitung: "Es gibt eine realistische Chance, Werksschließungen zu vermeiden." Allerdings müsse der Betriebsrat Zugeständnisse bei den Löhnen machen, die derzeit etwa 15 Prozent über dem Tarif in der Metallindustrie liegen.

Der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen könnte GM zwischen 800 Millionen und eine Milliarde Euro kosten, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise. Die Kosten sollen laut "FASZ" eine hohe Hürde in den Verhandlungen sein. Der GM-Verwaltungsrat soll am Dienstag in Detroit den Vorschlägen zustimmen. Am Donnerstag will der Opel-Betriebsrat die Mitarbeiter informieren.

GM kämpft seit Jahren in Europa mit Überkapazitäten und Verlusten. In Europa arbeiten für GM rund 63.000 Mitarbeiter an elf Standorten. Mit jährlichen Einsparungen von 500 Millionen Euro will der Konzern nun aus der Verlustzone steuern. Dabei sollen 12.000 Jobs in Europa wegfallen, 10.000 davon alleine bei Opel in Deutschland. Opel-Management und Arbeitnehmervertreter verhandeln seit Wochen über die Einsparungen und den Stellenabbau. Für die Arbeitnehmer geht es vor allem um die Sicherung der Arbeitsplätze. (APA)

Share if you care.