Bode Miller auf der perfekten Welle

10. Dezember 2004, 13:41
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Der US-Seriensieger sorgt in seiner Heimat für einen Ski-Hype und spinnt eigenwillige Gedanken

Beaver Creek - Bode Miller schwimmt auf der perfekten Welle und sorgt damit erstmal seit den Zeiten der Mahre-Brüder oder von Billy Johnson wieder für einen Ski-Hype in den USA. Der Doppelsieg von Miller und Daron Rahlves in Beaver ist zudem historisch im US-Abfahrtssport. Die von Österreichern (Patrick Riml, Alex Hödlmoser) gecoachte Lindsey Kildow sorgte mit ihrem Sieg in Lake Louise dafür, dass es erstmals seit 1995 (Picabo Street in Lenzerheide und Kyle Rasmussen in Kvitfjell) US-Abfahrtssiege bei Damen und Herren an einem Tag gab.

Gute Stimmung am Biber-Fluß

5.000 Menschen sorgten in Beaver Creek für Bombenstimmung. "Dabei waren wir bis zuletzt unsicher, ob wir die Abfahrt wirklich an einem Wochentag machen sollen", staunte selbst Tom Kelly vom US-Skiverband. Die Millermania sorgte zumindest in Colorado für eine Euphorie. Zwei Stunden standen die Fans um ein Autogramm an, viele davon bei minus 20 Grad im Freien.

Selbst für Miller ist das ungewohnt. Der 28-Jährige, der bis jetzt eigentlich nur in Europa ein Star war, spürt erstmals den Dauerstress. "Ich komme kaum noch aufs Fahrrad", gestand er. Trotzdem verblüfft der Ex-Hippie immer wieder. Auch am Vorabend der Abfahrt saß er bis Mitternacht im verrauchtesten Pub von Beaver Creek, die Besichtigung am nächsten Morgen absolvierte er fast im Renntempo.

Vier aus Fünf

Um am Ende im fünften Saisonrennen zum vierten Mal als Sieger dazustehen. "Ich werde diese Abfahrt nie vergessen. Das Wetter war ein Traum, meine ganze Familie war da und obwohl man nie perfekt Skifahren kann, war diese Fahrt phänomenal. Es war Instinkt und Reaktion. Es war fast schon surreal. Die Tore fliegen vorbei und du machst Dinge richtig, ohne darüber nachzudenken. Ich habe meine eigenen Erwartungen übertroffen," sprudelte es aus dem Ski-Genie heraus.

Die Aufregung um seine fast schon legendären Ausflüge ins Nachtleben versteht er nach wie vor nicht. "Warum denn nicht? Es ist ja nicht so, dass ich mich dabei betrinke. Und sieben Stunden Schlaf reichen mir", wurde Miller nicht müde, seine für einen Spitzensportler unkonventionelle Lebensweise zu erklären.

Entspannung mit Freunden

Das Herumblödeln mit Freunden sei sogar Teil der Entspannung. Manchmal kommen im Scherz Dinge wie diese dabei heraus. "Wenn ich 15 oder 18 Rennen gewonnen habe, kann ich im Jänner Pause machen und Golf spielen gehen. Dann komme ich zur WM und gewinne Medaillen, mache wieder Urlaub und hole beim Finale die Kristallkugel ab." Ein Scherz wie gesagt. Noch ist Miller nicht übergeschnappt.

Millers Sensationsstart gibt natürlich der Konkurrenz zu denken. Christoph Gruber etwa ist zur Erkenntnis gekommen: "Wir sind die harten Arbeiter, er das Talent. Er nimmt alles einen Tick lockerer, wir sind vielleicht doch ein wenig zu verbissen." Rainer Schönfelder ist klar: "Bode zeigt, dass es mehrere Wege gibt, die nach Rom führen."

Einzigartiger Stil

Er selbst habe in der gemeinsamen Zeit bei Fischer die Versuche, Millers Stil zu kopieren, schnell wieder abgestellt, so Schönfelder. "Er fährt so direkt wie kein anderer, macht über weniger Meter die Zeit. Aber man darf nicht vergessen, dass er fünf Jahre Zeit hatte, diese Technik zu perfektionieren. Mit 42 Ausfällen in Serie hält er ja noch immer den Weltrekord. In Österreich wäre er längst weg vom Fenster gewesen." (APA)

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    Bode Miller hat derzeit gut lachen.

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