Misshandlungen auch bei deutscher Marine

8. Dezember 2004, 21:37
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Peinigende Spiele mit Handgranate - Gegen einen Hauptbootsmann wird in vier Fälen ermittelt

Auch in der nordostdeutschen Stadt Stralsund sind Misshandlungsfälle von deutschen Bundeswehrrekruten bekannt gemacht geworden. Gegen einen Hauptbootsmann der Marineschule Parow wird wegen des Verdachts der Erniedrigung und Körperverletzung in vier Fällen ermittelt, gab die zuständige Staatsanwaltschaft bekannt. Nach den Vorkommnissen zu Beginn dieses Jahres hatte das Amtsgericht bereits einen Strafbefehl gegen den 33-jährigen Ausbildner erlassen. Der Beschuldigte bestreitet die Taten. Er soll unter anderem einen Rekruten gezwungen haben, eine Handgranate mit herausgezogenem Sicherungssplint über längere Zeit am gestreckten Arm zu halten. Der Bestrafte wusste nicht, dass sich kein Sprengstoff in der Granate befand.

Problematische Praktiken

Unterdessen gehen CDU und CSU davon aus, dass die Bundeswehr-Führung schon zu Jahresbeginn Hinweise auf problematische Praktiken bei der Ausbildung von Soldaten in ganz Deutschland hatte. Der Wehrexperte der Unionsfraktion, Christian Schmidt (CSU), verwies auf eine im Februar ergangene Weisung des Heeresführungskommandos, wonach das Verhalten bei Geiselnahmen nicht in der Grundausbildung geübt werden dürfe. Er gehe davon aus, dass dahinter die Kenntnis von mehr Problemfällen stecke als der vom Verteidigungsministerium genannten zwei kleineren Fälle.

Verteidigungsminister Peter Struck warnte vor einer generellen Verurteilung der Ausbildner und sagte: "Es gibt - von geringen Ausnahmen abgesehen - keine Rambos in der Bundeswehr. (AP, DER STANDARD Printausgabe 4/5.12.2004)

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