Das Galerien-Paralleluniversum

8. Dezember 2004, 21:28
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Zwischen Penisfolter und Emanzipation - die Galerie "Viennaslide" - weitab vom angesagten Freihausviertel

Dass seine Galerie zwar im vierten Bezirk, aber - da in der Seisgasse - halt doch weitab der angesagten Kunsträume des Freihausviertels liegt, hat Harald A. Jahn nie gestört. Genau genommen, erläutert der hauptberufliche Betreiber der Bildagentur "Viennaslide" (vienna slide.com), ist es ihm auch ganz recht, mit der "Kunstschickeria" (Jahn) keine Berührungspunkte zu haben: "Ich bin ein Amateur im Wortsinn und leiste mir den Luxus auszustellen, was mir gefällt - ohne Rücksicht auf das, was Szene und Kritik gerade für schick erklären."

Sprach es - und lud den 25-jährigen Wiener Manuel Gras ein, mit seinen eher plakativen Bildern zu noch plakativeren Schlagworten ("zwischen Art Dekor - sic!, Anm. - und Propaganda, zwischen Penisfolter und Emanzipation") den "Abendstern" nach zwei Jahren Pause wieder zu eröffnen.

"Das ist heuer meine zehnte Vernissage", freute sich Gras - und versetzte mit dem Aufklebetempo jener kleinen roten Punkte, mit denen angezeigt wird, welche Bilder verkauft sind, ein paar Freihausviertelgänger in neidvolles Erstaunen. Freilich hätte Gras im Gegensatz zu Jahn keine Scheu davor, auch an angesagt-etablierten Orten auszustellen. Und das, obwohl er weiß, dass ihm Sammler ("Ja, die habe ich") dorthin nicht folgen würden. (DER STANDARD Printausgabe 4/5.12.2004)

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    foto: rottenberg
  • Wiedereröffnung des "Abendsterns" mit plakativen Bildern und Sprüchen

    Wiedereröffnung des "Abendsterns" mit plakativen Bildern und Sprüchen

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