Malaria zieht in die Städte

4. Dezember 2004, 20:00
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Forscher warnen vor "neu aufkommender tropischer Erkrankung" durch urbane Landwirtschaft

Liverpool - In Afrika entwickelt sich "urbane" Malaria zu einer potenziellen, aber abwendbaren Krise. Malaria tötet weltweit Millionen von Menschen und bis vor kurzem wurde sie nur ländlichen Gebieten zugerechnet, weil die Anopheles-Mücke, die den tödlichen Parasiten von Mensch zu Mensch überträgt, in stehenden Gewässern brütet. Nun haben Wissenschaftler von der Liverpool School of Tropical Medicine (LSTM) eine globale Warnung erlassen, dass "urbane Malaria eine neu aufkommende tropische Erkrankung" darstellt.

"In der Vergangenheit wurde Malaria mit sumpfigen, ländlichen Gebieten in Zusammenhang gebracht", erklärt Guy Barnish, ein Parasitologe an der LSTM. Wurde bei Menschen in der Stadt Malaria diagnostiziert, gingen die Ärzte davon aus, sie hätten sich bei einem Aufenthalt am Land infiziert. Die aktuelle Studie aus Westafrika deutet darauf hin, dass Malaria genauso in Städten übertragen wird. Ein Teil des Problems stammt daher, dass zunehmend Gemüse und Kulturpflanzen innerhalb der Stadtgrenzen gezüchtet werden, weil ja immer mehr Menschen in urbane Gebiete ziehen. "Durch die Bewässerung der Saaten schaffen die Menschen unbeabsichtigter Weise einen geeigneten Lebensraum für den tödlichen Moskito", so Barnish.

Urbane Landwirtschaft als Ursache

Marcia Caldas de Castro von der University of South Carolina bestätigt, dass urbane Landwirtschaft in Zusammenhang mit Malaria ein Problem darstellt. "Doch für manche Familien ist die städtische Landwirtschaft die einzige Möglichkeit, die Nahrungsversorgung sicherzustellen", so die Expertin. Daher sei es nicht möglich, Maßnahmen zur Beseitigung der urbanen Landwirtschaft einzuleiten.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass bis 2025 über 800 Millionen Menschen in Afrika in Städten leben werden. Obwohl die Raten der Erkrankung in den Städten noch unter jenen am Land liegen, könnte urbane Malaria ein großes Problem werden. Der nächste Schritt soll darin bestehen, mögliche Gegenmaßnahmen zu evaluieren, wie zum Beispiel eine Behandlung mit Insektiziden. Eine entsprechende Ausbildung der Menschen und verbesserte landwirtschaftliche Praktiken könnten ebenfalls im Kampf gegen die Ausbreitung der Krankheit helfen, so Caldas de Castro. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Anopheles-Mücke

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