Biografisches zu Martin Buber

28. Dezember 2004, 12:06
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Von Eleonore Lappin

Martin Buber, 1878 in Wien geboren, übersiedelte nach der Trennung seiner Eltern 1881 nach Lemberg und wuchs bei seinem Großvater Salomon, einem jüdischen Gelehrten, auf, bis er mit 14 Jahren ins Haus seines Vaters zog.

Er besuchte ein polnischsprachiges Gymnasium und begeisterte sich für die deutsche Kultur. 1896 begann Buber seine Universitätsstudien in Wien, wo er Philosophie und Kunstgeschichte inskribierte. Er fühlte sich zum Schriftsteller berufen, schrieb Gedichte und schloss Freundschaften mit Schriftstellern des "Jung Wien". 1897 setzte er seine Studien in Deutschland fort und entfaltete mit jungen, osteuropäischen Zionisten wie Chaim Weizmann, dem späteren ersten Präsidenten Israels, bemerkenswerte Aktivitäten, u.a. die Gründung des Jüdischen Verlags in Berlin 1901. 1904 zog Buber sich vom aktiven Zionismus zurück und befasste sich mit der Nachdichtung chassidischer Texte. Mit seinen ab 1909 in Prag gehaltenen "Reden über das Judentum" wurde Buber zum Mentor der zionistischen Jugend. 1916 übernahm er die Herausgeberschaft der Zeitschrift Der Jude. Buber propagierte einen Zionismus, dessen Prüfstein für ihn der friedliche Ausgleich mit den palästinensischen Arabern war, wie er ihn auf dem Zionistenkongress von Karlsbad 1921 einforderte.

Er widmete sich von 1925 an mit Franz Rosenzweig der Verdeutschung der Bibel und führte diese Arbeit nach dessen Tod 1929 alleine fort. 1923 bis 1930 lehrte Buber an der Universität Frankfurt Jüdische und Allgemeine Religionswissenschaften, wie auch am "Freien jüdischen Lehrhaus" in Frankfurt. Nach der Machtübernahme der Nazis bemühte sich Buber, der menschenverachtenden Ideologie der Nationalsozialisten den jüdischen Humanismus entgegenzustellen und so das Selbstbewusstsein der deutschen Juden zu stärken, was für die betroffene jüdische Gemeinschaft von großer Bedeutung war. Nach der Devastierung seines Zuhauses in Heppenheim im Zuge des Novemberpogroms 1938 übersiedelte er nach Jerusalem und setzte sich weiterhin engagiert für den Dialog mit den palästinensischen Arabern und einen binationalen Staat ein. Buber hielt dem neu gegründeten Staat Israel die Treue und wurde durch seine Vorträge in den USA, Westeuropa und Deutschland zu einem der wichtigsten intellektuellen Repräsentanten seiner neuen Heimat. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5. 12. 2004)

Dr. Eleonore Lappin ist wiss. Mitarbeiterin des Instituts für Geschichte der Juden in Österreich (St. Pölten) und Präsidentin des Vereins zur Erforschung national- sozialistischer Gewaltverbrechen und ihrer Aufarbeitung (Wien).
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