dag: Der Boudi

20. Dezember 2004, 13:14
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Schön, dass dem Amerikaner Bode Miller im Skisport so viel gelingt - von Daniel Glattauer

Erstens sind das stets auch Siege des Leichten über das Schwere, des Verspielten über das Naturgewaltige. Zweitens hört man unsere Kommentatoren jetzt immer häufiger "Bode" sagen. - Da reift ein fonetischer Ohrenschmaus der Sonderklasse heran.

Den Skifahrer ereilt dabei jenes österreichische Sprachphänomen, das wir das Lech-Walesa-Syndrom (LWS) nennen wollen. Ab einer gewissen Stufe der Popularität muss ein Name öffentlich-rechtlich richtig ausgesprochen werden. Jahrelang kam "Lech" wie jenes am Arlberg daher, und "Walesa" war ein schlampiger Waliser mit "e". Dann wurde bekannt, dass der Name eigentlich polnisch ist. Ab da gurgelte es Kehlkopfverrenkungen wie "Löch Walaingsa", "Leck Walenchsa" oder "Leing Walngsa" durch die TV-Kanäle.

Nun also Bode Miller. Jahrelang war er unbedeutend genug, um als "Body Miller" (Körper Müller) durchzugehen. Seit seinen Erfolgen ergehen sich die Sprecher in Lauten, als wären von obersteirischen Wölfen großgezogene südburgenländische Ureinwohner vors Mikrofon gebeten worden: Boudi. Bouudi. Baouudi. Baooouuudi. - Und die Saison hat erst begonnen. (Daniel Glattauer - DER STANDARD PRINTAUSGABE 4./5.12. 2004)

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