Abchasien: Strafaktion gegen die unbotmäßigen Wähler

4. April 2005, 19:13
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Moskau verhängt Sanktionen gegen Sukhumi - Mit Infografik

Nicht dass die vergangenen zwei Monate besonders leicht gewesen wären für die vielleicht 250.000 Bewohner der kleinen Schwarzmeerrepublik Abchasien. Seit zwei Tagen jedoch macht Sukhumi, die Hauptstadt der von Georgien abgespaltenen Teilrepublik eine höchst ungewöhnliche Erfahrung: Liebesentzug durch Moskau.

Vergangenen Donnerstag sperrte die russische Regierung die gerade erst wieder hergestellte Bahnlinie zwischen Sukhumi und der Russischen Föderation und soll auch die Grenzen für die Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus Abchasien - Nüsse und Zitrusfrüchte - geschlossen haben. Der Grund für die Strafaktion: Wladimir Putin will Neuwahlen in der international nicht anerkannten Republik erzwingen. Putins Kandidat, der frühere abchasische Premier Raul Khajimba, ein KGB-Mann wie der russische Staatschef, hatte die Präsidentschaftswahlen am 3. Oktober verloren.

Nach langem internen Streit erkannte die Wahlkommission Khajimbas Herausforderer Sergeij Bagapsch den Sieg zu. Der Nationalist Bagapsch, Chef des abchasischen Energieunternehmens ChernoMorEnergo, soll die Wahl mit 50,08 Prozent der Stimmen gewonnen haben. Das Parlament unterstützt ihn, die Beamten des Innenministeriums sind zu ihm übergelaufen, am Montag will er offiziell sein Amt antreten - gegen den Willen Putins und des scheidenden Präsidenten Ardsinba.

Die Abchasen spalteten sich in einem von 1991 bis 1994 dauernden Krieg von Georgien mit militärischer Unterstützung Russlands ab. Abchasien verlieren, hieße das Schwarze Meer verlieren, sagte der damalige Verteidigungsminister Pawel Gratschew. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.12.2004)

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