Südossetien: Absurde Lösung für den Waffenstillstand

4. April 2005, 19:13
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Vertrag Moskau-Tiflis nicht mehr praktikabel - Mit Infografik

Brennholz aus den Wälder zu holen ist jetzt zu Winterbeginn ein lebensgefährliches Unterfangen geworden für die Georgier in der Separatistenprovinz Südossetien. Die Bewohner der georgischen Dörfer im Konfliktgebiet müssen mit Minen rechnen, Entführungen durch ossetische Milizen, Scharfschützen und Schlägerkommandos, berichtet Theresa Freese, eine ame- rikanische Kaukasus-Spezialistin, die in dem Berggebiet um die Provinzhauptstadt Tskhinwali arbeitet.

Südossetien hat die wohl absurdeste, von Russland erzwungene Waffenstillstandslösung im Kaukasus. Die russische Armee sichert einen etwa 20 Kilometer großen Radius um Tskhinwali im Verein mit südossetischen und georgischen Friedenstruppen. Alle drei Parteien dürfen laut einem 1992 geschlossenen Abkommen jeweils 500 Soldaten stationieren. Strittig ist mittlerweile, wo. Denn Georgiens Reformer haben die Wiedereingliederung der Separatistenprovinzen Südossetien und Abchasien zu ihrem Ziel erklärt und wollen dabei auch den Grenzübergang zwischen Südossetien und Russland - den Roki-Tunnel - kontrollieren, gemeinsam mit Russland, der OSZE oder der EU, sagen georgische Diplomaten.

Das Tun der Friedenstruppen überwachen wiederum exakt acht OSZE-Beobachter. Mehr will Moskau nicht zulassen. Das Regime des südossetischen Präsidenten Eduard Kokoiti (Kokoew nach russischer Schreibweise), einer früheren Moskauer Unterweltfigur, finanziert sich vor allem durch Schmuggel aus Russland nach Georgien und weiter. Als Tiflis die Schmuggelrouten im Sommer schloss, kam es beinahe zum Krieg. Ein neuer Versuch zur Demilitarisierung läuft gerade. (mab/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.12.2004)

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