Transnistrien: Kein Abzug jenseits des Dnjestr

4. April 2005, 19:13
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Russen protegieren Regime in Tiraspol - Mit Infografik

Im Jänner will die ukrainische Region Donezk über ihre Unabhängigkeit von der Ukraine abstimmen. Das könnte auch in der Separatistenrepublik Transnistrien für Schwung sorgen. Zu Beginn der 90er-Jahre hat sich das Gebiet jenseits des Dnjestr von Moldawien abgespalten. Seither herrscht in der Region ein "eingefrorener Konflikt" (OSZE): Die russische Armee hält ihre schützende Hand über das international nicht anerkannte Regime in Tiraspol und sie bewacht die großen Munitionsbestände der Sowjetarmee, die immer noch in dem Land lagern.

Der starke Mann des überwiegend von ethnischen Russen bewohnten Landes, Igor Smirnow, kann seit Jahren unbehelligt seinen Geschäften nachgehen. Sie sollen vom Menschenschmuggel bis zum Handel mit Waffen aller Art aus den unterirdischen Waffenfabriken Tiraspols reichen.

Alle Versuche der OSZE, den Konflikt zu schlichten, scheiterten bisher. Die Russen sollten Ende 2003 abziehen, hielten sich aber nicht an die Abmachung. Verhandlungen über einen Autonomiestatus für Transnistrien scheiterten am Druck der mehrheitlich rumänischsprachigen Bevölkerung Moldawiens. Zuletzt sorgten Schließungen rumänischer Schulen jenseits des Dnjestr für Aufregung.

Chi¸sinau kann wenig gegen Tiraspol unternehmen. Protestiert das bettelarme Land zwischen Rumänien und der Ukraine zu laut, dreht ihm Moskau kurzerhand den Strom oder das Gas ab. Am OSZE-Gipfel will man Russland endlich zum Abzug aus Transnistrien bewegen. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 4./5.12.2004)

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