Hauptverdächtigem drohen drei Jahre Haft

8. Dezember 2004, 21:37
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Ein Ausbildner befindet sich zurzeit in einem Auslandseinsatz - die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen entwürdigender Behandlung

Die Misshandlungsaffäre in der Kaserne Freistadt ist seit Freitag auch ein Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Linz hat Vorerhebungen eingeleitet und der Kriminalabteilung der Gendarmerie den Auftrag erteilt, in der Causa zu ermitteln.

"Es besteht der Tatverdacht der Körperverletzung unter Ausnutzung der Amtsstellung", teilte Staatsanwalt Rainer Schopper auf Anfrage des STANDARD mit. Je nach Schwere der Verletzung stehe darauf laut Strafgesetz bis zu drei Jahre Haft.

Mögliche "entwürdigende Behandlung"

Zudem werde auch wegen möglicher "entwürdigender Behandlung" ermittelt. Dieser Tatbestand ist im Paragraf 35 des Militärstrafgesetzes geregelt. "Wer einen Untergebenen oder Rangniederen in einer Menschenwürde verletzenden Weise behandelt, oder aus Bosheit einem Untergebenen den Dienst erschwert und dadurch in qualvollen Zustand versetzt, ist ( . . ) mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren zu bestrafen."

Hauptverdächtiger befindet sich zurzeit in einem Auslandseinsatz

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits in der Nacht zum Freitag vom Verteidigungsministerium eine Sachverhaltsdarstellung erhalten. Der Verdacht, Rekruten misshandelt zu haben, richte sich gegen "eine konkrete Person und mehrere potenzielle Täter", erklärt Schopper. Jener Hauptverdächtige, ein Wachtmeister, befindet sich zurzeit in einem Auslandseinsatz.

Das Oberösterreichische Militärkommando rechnet auch noch mit Schadensersatzforderungen von Opfern. 80 Rekruten waren nach dem Ausdauermarsch von drei Ausbildnern misshandelt worden. Oberst Kurt Raffetseder glaubt, dass sich "in den nächsten Tagen weitere Opfer" melden werden. (DER STANDARD Printausgabe 4.12.2004)

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