Bundesschulsprecherin: "Schüler besser, als Test zeigt"

16. Dezember 2004, 16:57
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Selma Schmid kritisiert fehlende Integration

Für sich selbst sieht Selma Schmid keine Probleme, denn obwohl ihre Mutter Türkin ist, "ist meine Muttersprache Deutsch". Aber sie kennt aus naher Beobachtung, wie es Schülern aus Migrantenfamilien ergeht: "Wir hatten viele in der Klasse, die nicht die deutsche Muttersprache hatten. Und von Förderung der Integration ist nichts zu sehen. Denen sagt man: Bis dann und dann müsst ihr das können. Aus."

Unter anderem um diese Zustände zu ändern, engagiert sich Schmid in der Schülervertretung und wurde als Kandidatin der Aktion Kritischer Schüler (AKS) zur Bundesschulsprecherin gewählt.

Am Schulsystem kritisiert sie, dass bei Reformen "viel Geld in kosmetische Feinheiten, aber nicht in eine Neugestaltung des Systems" gesteckt würde - daher finde auch keine Integration von Migranten statt, die oftmals weder die Muttersprache noch Deutsch richtig können und in die Sonderschule abgeschoben werden. "Man müsste in der Volksschule damit anfangen, dass alle erst einmal ihre Muttersprache lernen - das ist doch die Grundlage, andere Sprachen zu lernen," sagt Schmid, die im gemeinsamen Lernen auch eine "Förderung des sozialen Denkens" sieht.

"An der Pisa-Studie halte ich mich nicht so fest, weil ich Tests und Rankings nicht so mag. Aber ich glaube, dass die Schülerinnen und Schüler besser sind als das der Test zeigt", sagt Schmid, die selbst eine siebente Klasse im Wiedner Gymnasium besucht.

Die Lehrer will sie für das Pisa-Ergebnis nicht verantwortlich machen: "Ich weiß, dass die auch wenig Spielraum haben."

(cs/DER STANDARD-Printausgabe, 4.12.2004))

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