Bosnien: Del Ponte kündigte Beginn von Kriegsverbrecher-Prozessen an

4. Dezember 2004, 16:37
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Kritik an NATO-Führung - Neue Anklagen bis Jahresende angekündigt

Sarajewo - UNO-Chefanklägerin Carla del Ponte hat den Beginn von Kriegsverbrecherprozessen in Bosnien-Herzegowina im Jänner des nächsten Jahres angekündigt. Auf einer Pressekonferenz in der bosnischen Hauptstadt Sarajewo sagte die Leiterin der Anklagebehörde des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag, dass zunächst "acht mittelschwere Fälle" vor der im Aufbau befindlichen Kriegsverbrecherkammer am bosnischen Staatsgerichtshof behandelt würden.

Zugleich versicherte sie, dass der Prozess gegen die beiden meist gesuchten Angeklagten, der bosnisch-serbische Ex-Präsident Radovan Karadzic und sein damaliger Armeechef Ratko Mladic, in Den Haag geführt werden müsse.

7.000 Mann suchen nach Karadzic und Mladic

Nach der Übernahme der bisher NATO-geführten Bosnien-Schutztruppe (SFOR) durch die EU-Operation "Althea" am Donnerstag zeigte Del Ponte sich zuversichtlich, dass es der 7000 Mann starken Truppe gelingen würde, Karadzic und Mladic sowie 18 weitere von Den Haag Gesuchte festzunehmen. "Für mich wächst dadurch die Hoffnung, dass die Mission endlich erfüllt wird", so die UNO-Chefanklägerin. Der NATO-Führung warf sie vor, neun Jahre lang nicht genug getan zu haben, um mutmaßliche Kriegsverbrecher zu verhaften. Bis zum Jahresende, so Del Ponte, werde sie "nicht mehr als fünf oder sechs" neue Anklagen erheben, die sich gegen Täter "auf allen Gebieten des früheren Jugoslawien" richten werde.

Del Ponte hatte auch angekündigt, dass sich der mutmaßliche Kriegsverbrecher und pensionierte bosnisch-serbische General Dragomir Milosevic offenbar selbst gestellt hat. Er werde im Laufe des Freitags von Belgrad nach Den Haag abreisen. Sie habe keine weiteren Informationen über das Auslieferungsverfahren, sagte Del Ponte. Der 62-Jährige soll als Kommandant serbischer Verbände während des Bürgerkrieges in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) für die 44-monatige Belagerung und den Beschuss Sarajewos mit tausenden Toten verantwortlich sein. (APA)

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