Das (nahe) Ende der IBM-PC-Ära

8. Dezember 2004, 17:55
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Big Blue trennt sich von seiner unrentablen PC-Sparte - Als potenzieller Käufer wird die chinesische Lenovo genannt

New York – IBM hat den Personal Computer vulgo PC zwar nicht erfunden, doch gebührt dem Unternehmen der Ruhm, ihn bis hinauf in die Vorstandsetagen und hinunter ins heimische Arbeitszimmer salonfähig gemacht zu haben. Jetzt, mehr als 23 Jahre nach der Präsentation des ersten IBM Personal Computers 5100 im August 1981, sieht es danach aus, dass sich der weltweit größte IT-Konzern von diesem "Relikt" seiner Unternehmensgeschichte verabschieden möchte.

Ende einer Ära

Einem Bericht der New York Times zufolge will Big Blue sein PC-Geschäft an den chinesischen PC-Hersteller Lenovo (ehemals Legend) verkaufen. Auch wenn das Unternehmen die Führung im PC-Markt schon längst an Dell und Hewlett-Packard abgegeben hat, um sich bewusst auf den lukrativeren Servermarkt und den Markt für IT-Services zu konzentrieren, bedeutet der kolportierte Verkauf das Ende einer Ära. "Der Rückzug aus diesem Geschäft ist die endgültige Bestätigung, dass der Personal Computer ein Gebrauchsgegenstand des Alltags geworden ist, der nur noch kleine Gewinne einbringt", bringt es die New York Times auf den Punkt.

Die Unternehmen, die heute den größten Profit aus dem PC-Markt herausholen, sind zweifelsohne der Softwaregigant Microsoft und der Prozessorriese Intel, deren Betriebssysteme und Chips sich in der überwiegenden Mehrheit aller Computer befinden, gleich, welcher (Marken-)Name draufsteht.

Die Aufgabe des PC-Business kann auch als Schritt IBMs gesehen werden, sich von ihrer traditionellen Haltung zu lösen, Umsatzgröße als Messzahl seiner Unternehmenskraft zu sehen. Derzeit repräsentiert der PC-Bereich zwölf Prozent von IBMs jährlichen 92-Milliarden-Umsatz und hält einen Weltmarktanteil von 5,6 Prozent.

Kundenbindung als Motiv bis zuletzt

Branchenanalysten drängen das Unternehmen schon seit Längerem, sich von dem Bereich zu trennen, da die Gewinne zu wünschen übrig ließen. Bislang haben die Führungskräfte der IBM diesem Vorschlag widerstanden, mit dem Argument, dass es der Kundenbindung diene.

Ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt würde aber auch gut zum neuen IBM-Kurs passen, den CEO Samuel Palmisano, seit 2002 an der Spitze des Unternehmens, eingeschlagen hat. Zum einen hat er bereits einige wenig profitable Hardwarebereiche verkauft, zum anderen versucht er IBM als ein Unternehmen zu verkaufen, das Kunden nicht nur simple Technologie verkauft, sondern sie dabei unterstützt, wettbewerbsfähiger und effektiver zu werden. (kat, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4./5.12.2004)

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