Pariser Aufträge für Klangforum Wien

10. Dezember 2004, 10:45
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Dreijahresvertrag mit Opera National de Paris abgeschlossen

Wien - Während es über eine weiter gehende Einbindung des Klangforum Wien als weltweit führendes Orchester für zeitgenössische Musik in die Neuausrichtung des Theaters an der Wien nach Angaben von Klangforum-Intendant Sven Hartberger "keine konkreten Gespräche" gibt, hat die Opera National de Paris unter Intendant Gerard Mortier zugegriffen: Von 2005 bis 2007 bringt das Klangforum Wien jährlich eine Produktion, darunter die Uraufführung einer Auftragskomposition von Georg Friedrich Haas, nach Paris. Einen Dreijahresvertrag "mit einem der führenden Opernhäuser Europas zu erlangen, ist noch keinem österreichischen Klangkörper gelungen", freute sich Hartberger heute, Freitag, bei einer Pressekonferenz.

Die Pläne

Den Auftakt macht am 17. März 2005 der erfolgreiche Mozart-Abend "Wolf" von Alain Platel (musikalische Bearbeitung: Sylvain Cambreling), der im Februar vier mal in Wien zu sehen war. Im Pariser Palais Garnier gibt es insgesamt zwölf Vorstellungen. Am 26. April 2006 folgt "Das Theater der Wiederholungen" von Bernhard Lang (musikalische Leitung: Johannes Kalitzke, Regie: Xavier Le Roy).

Und am 10. Juni 2007 kommt die Uraufführung von Georg Friedrich Haas' "Lars aus Hattarvag" nach dem Roman "Melancholie" von Jon Fosse auf die Bühne, die danach auch in Wien zu sehen sein wird. Das Werk behandelt "die Geschichte eines Mannes, der ein mystisches Liebeserlebnis hat und darüber jeden Bezug zur Realität verliert", so der Komponist.

Die Sache mit dem Theater an der Wien

Während die Planungen mit der Pariser Oper schon für das Jahr 2008 reifen (wo derzeit ein "aufregendes Projekt" gedeihe), spielt das Klangforum Wien in der Neuausrichtung des Theaters an der Wien unter Intendant Roland Geyer ab 2007 offenbar keine große Rolle: "Es gibt keine konkreten Gespräche" über eine Einbindung des Klangforums in das künstlerische Konzept mit Geyer, so Hartberger.

Lediglich nach der zeitlichen Verfügbarkeit des Ensembles habe sich Geyer erkundet, über die Frage, wie das Theater an der Wien zukünftig künstlerisch gestaltet wird, habe man jedoch nicht gesprochen. "Wir sind bereit, dort zu spielen, wenn das künstlerische Konzept dementsprechend ist", so Hartberger angesichts der geplanten Präsentation dieses Konzeptes am kommenden Montag. "Ich kenne es nicht".

"Da sieht man den Unterschied zwischen einem Intendanten und einem Verwaltungsdirektor"

Unter Verweis insbesondere auf die Pariser Haas-Uraufführung meinte Hartberger lobend zu Mortiers Engagement für die neue Musik: "Da sieht man den Unterschied zwischen einem Intendanten und einem Verwaltungsdirektor", der "in seinem Opernhaus sitzt und nur das Geld ausgibt". Es sei wichtig, die Bilanzen in Ordnung zu halten, "jedoch ist das nicht alles". Dem Klangforum gehe es in dieser Hinsicht "sensationell gut", das Orchester weise einen Eigendeckungsgrad von 70 Prozent auf. Jedoch sagt Hartberger dies "nicht nur mit Stolz: Ich bin nicht für amerikanische Verhältnisse." Das Verhältnis von Eigendeckung und Subvention durch die öffentliche Hand sollte 50:50 sein, so Hartberger. Und auch die Beschäftigungssituation der Klangforum-Musiker sei nicht zufrieden stellend: Die derzeit mit Jahresverträgen beschäftigten Musiker sollen zu den selben Konditionen wie bei anderen Orchestern fix angestellt werden können, wünscht sich Hartberger.

Entgegen der jüngsten Kritik an der Leitung des steirischen herbstes und insbesondere an Peter Oswald wegen finanzieller Schwierigkeiten des Grazer Festivals betonte Hartberger, "man muss unterscheiden zwischen ausgegebenem und hinausgeworfenem Geld". Das Kulturhauptstadt-Jahr "Graz2003" wäre ohne die Helmut List-Halle nicht möglich gewesen, und "man muss einmal sehen, was für Werke von dort ausgegangen sind, die es sonst nie gegeben hätte", so Hartberger, der den "mutigen Peter Oswald" lobte, unter Verweis auf das 2003 in Graz uraufgeführte "Theater der Wiederholungen" oder "Lost Highway" von Olga Neuwirth und Elfriede Jelinek. (APA)

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