Starke Konzentration stört Lernprozess

10. Dezember 2004, 18:31
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Vor allem beim Meistern einfacher Aufgaben sollte man sich nicht zu sehr anstrengen

London - Beim Meistern einfacher Aufgaben sollte man sich manchmal nicht zu sehr anstrengen. Gerade bei einfachen Tätigkeiten behindert zu starke Konzentration den Lernprozess, wie eine Studie der britischen Universität Cambridge ergab.

Die Teilnehmer der Untersuchung sahen auf einer Leinwand eines von vier Symbolen aufleuchten und mussten abhängig davon einen von vier Knöpfen drücken. Während des sechsminütigen Tests drückten die Versuchspersonen insgesamt etwa 300 Tasten, darunter 18 Mal die Wiederholung einer bestimmten zehnteiligen Reihenfolge. Eine Hälfte der Teilnehmer sollte versuchen, die Reihenfolge zu lernen, um schneller reagieren zu können.

Rechter Stirnlappen aktiviert

In dem Versuch reagierten allerdings diejenigen Teilnehmer schneller, die die Abfolge nicht lernen sollten und entspannt waren. Sie drückten die Knöpfe durchschnittlich um vierzig Millisekunden früher als die andere Hälfte. Die Forscher schließen daraus, dass diese Probanden die Abfolge besser gelernt haben.

Messungen der Gehirntätigkeit mittels Kernspintomographie ergaben, dass diejenigen, die bewusst lernen wollten, vor allem die Hirnregion des rechten Stirnlappens aktiviert hatten, der bei angestrengtem Nachdenken und Lernen benutzt wird. Versuchsleiter Paul Fletcher sagt im Magazin "Nature", dass die Stirnlappen etwa dann von Nutzen sind, wenn bewusst eine Entscheidung getroffen werden soll. Aber diese bewusste Informationsverarbeitung behindere das automatische Lernen einfacher Aufgaben.

Fletcher verdeutlicht dies am Beispiel von jemandem, der das Skifahren lernt: "Wenn man sich mit jeder Drehung im Voraus befasst, stört das die Vorgänge auf der motorischen Ebene." Am besten sei es, ganz entspannt den Hang hinabzufahren. (APA)

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    derstandard.at
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