"Rubens-Pilgerweg" durch drei Häuser

3. Dezember 2004, 17:59
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Liechtenstein Museum, Kunsthistorisches Museum und Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste kooperieren

Wien - Kaum hat die Rubens-Ausstellung in der Albertina geschlossen, sperrt am Sonntag der Gemälde-Parcours "Rubens in Wien" auf. Das Liechtenstein Museum, das Kunsthistorische Museum und die Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste präsentieren gemeinsam ihren Bestand an Werken des großen flämischen Meisters. Der umfasst immerhin rund 100 Werke und wird überdies mit einigen Leihgaben ergänzt. Das Kombiticket für alle drei Häuser (15 Euro) inkludiert einen Shuttlebus. Mit dem D-Wagen, zur "Rubens-Linie" ausgerufen, lässt sich das bis 27. Februar 2005 geöffnete barocke Ausstellungs-Triptychon auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln absolvieren.

Dieser "Rubens-Pilgerweg" (Johann Kräftner, Direktor des Liechtenstein Museums), zu dem auch ein umfangreicher Katalog (36 Euro) aufgelegt wurde, ist zugleich auch eine Exkursion in die Welt der Sammler und Mäzene der einstigen Kaiserstadt. Als Konkurrenten machten sich Erzherzog Leopold Wilhelm (dessen Sammlung den Grundstock des Kunsthistorischen Museums bildet) und Johann Adam Andreas I. von Liechtenstein die schönsten Bilder streitig, während Graf Lamberg, aus dessen Sammlung die Galerie der Akademie hervorging, schon allein aus Platzgründen eher das kleine Format, die Ölskizze bevorzugte. "Automatisch können Sie auch den Lokalkolorit, den Charakter der einzelnen Sammlungen erleben", meinte die Direktorin der Gemäldegalerie der Akademie der Bildenden Künste, Renate Trnek, bei der heutigen Presseführung.

"Rubens-Metropole"

Peter Paul Rubens (1577-1640) wurde heuer auch ohne besonderen Anlass bereits in vielen Städten ausgiebig gefeiert. Die erstmalige Zusammenarbeit der drei Wiener Institutionen soll darauf hinweisen, dass Wien eine Rubens-Metropole genannt werden kann, und einen Höhepunkt und Abschluss dieses Rubens-Jahres bilden. "3 Museen. 100 Gemälde." lautet der Werbeslogan. Trnek: "Würden Sie das alles in einem Haus sehen müssen, wären sie spätestens nach zwei Stunden total erschlagen."

33 eigenhändige Werke von Peter Paul Rubens finden sich insgesamt in den Fürstlichen Sammlungen der Liechtensteins, zu den schon bisher im Gartenpalais in Wien-Alsergrund gezeigten Beständen (darunter der monumentale "Decius Mus"-Zyklus) wurden weitere 13 Arbeiten von den Depots aus Vaduz nach Wien gebracht. Leihgaben aus der Yale University Art Gallery in New Haven und den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen ergänzen hier das Angebot. Im Kunsthistorischen Museum, mit rund 40 Gemälden im Besitz einer der bedeutendsten Rubens-Sammlungen außerhalb Antwerpens, sind auch Leihgaben der Eremitage St. Petersburg zu sehen. In der Gemäldegalerie der Akademie am Schillerplatz gibt es vor allem den "kleinformatigen" Rubens und mit Ölskizzen - etwa für die Antwerpener Jesuitenkirche - wichtige Querverweise zum Schaffen des Malers.

Die "größte Rubens-Schau der Welt"

"Wien ist ein Schatzhaus für Rubens", versicherte Renate Trnek, und tatsächlich ist die Fülle des gemeinsam Gebotenen bei dieser "größten Rubens-Schau der Welt" (Werbe-Slogan) eindrucksvoll und reicht von kleinen Ölskizzen bis zu etliche Quadratmeter füllenden Monumentalgemälden. Die drei Etappen könnten freilich nicht unerschiedlicher sein. "Die Individualität der einzelnen Institute sollte nicht leiden", erklärte KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel die verschiedenen Präsentationsformen, "Die gemeinsame Klammer ist der Katalog."

Im Liechtenstein Museum hat man die neu hinzugefügten Werke - mit Ausnahme der in der Bibliothek präsentierten Druckgrafiken nach Rubens - unauffällig in den schon zuvor präsentierten Bestand eingefügt und zeigt so "teilweise eine sehr dichte, barocke Hängung, die simulieren soll, wie Bilder zu der Zeit von Rubens präsentiert wurden" (Kräftner). Das Kunsthistorische Museum hat dagegen in drei Sälen und fünf Kabinetten eine neue, "bewusst etwas lockerere" Hängung seiner mit Eremitage-Leihgaben ergänzten umfangreichen Rubens-Schätze vorgenommen, die außerdem, so KHM-Gemäldegalerie-Leiter Karl Schütz, absichtlich auf die Konfrontation von Ölskizzen mit ausgeführten Gemälden verzichtet, um für Besucher "die dauernden Maßstabsveränderungen zu vermeiden". Dafür wurde mit chronologischer Abfolge und ausführlicheren Beschriftungen auf didaktische Unterstützung Wert gelegt. Die Gemäldegalerie der Akademie am Schillerplatz hat schließlich ihre Rubens-Bestände in einem einzigen Raum versammelt.

Höhepunkte der Schau

Im Liechtenstein Museum sind als Neuheiten nicht nur zwei doppelseitig bemalte Orgelflügel aus den Vaduzer Depots zu sehen, die musizierende Engel bzw. Darstellungen des Hl. Joachim und der Hl. Anna zeigen, sondern auch zwei schöne Leihgaben, die in Nachbarschaft der "Venus vor dem Spiegel" gehängt wurden: "Ganymed" aus der Sammlung Schwarzenberg und "Satyr mit Mädchen und Früchtekorb" aus der Sammlung Schönborn-Buchheim.

Das Kunsthistorische Museum beeindruckt nicht nur mit den bekannten Höhepunkten seiner Rubens-Kollektion wie dem "Pelzchen", dem "Venusfest" und den riesigen Altarbildern - darunter die "Begegnung des Hl. Antonius und Kaiser Theodosius", die auch in der monumentalen Rubens-Schau im Palais des Beaux-Arts in Lille (mit gleich 160 Werken des Malers) zu sehen war und dafür eigens restauriert wurde -, sondern auch mit der "Verbindung von Erde und Wasser (Schelde und Antwerpen)" aus der Eremitage, die schön mit dem hauseigenen Gemälde der "Vier Erdteile" (neu interpretiert als "Vier Ströme des Paradieses") kombiniert wurde.

"Propädeutikum" der Akademie

In der Akademie wird neben dem Gemälde "Boreas entführt Oreithya", das auch das Werbe-Sujet der Dreier-Ausstellung lieferte, vor allem mit Ölskizzen "der eigentliche Zugang zur künstlerischen Handschrift von Rubens" (Trnek) geboten, da der Malerfürst in seinen besten Zeiten nur die Entwürfe und Skizzen eigenhändig vornahm, während die Mitglieder seiner vielköpfigen Werkstatt die Übertragung aufs Großformat besorgten. "Jedem seiner Auftraggeber war klar, dass er das nicht alles selber pinseln würde", sagte Trnek, "Er hat sich nicht selbst mit den Farbkübeln beschäftigt. Dazu hatte er seine Firma."

KHM-Direktor Seipel dankte in seinen Ausführungen auch der Albertina, die mit ihrer eigenen Rubens-Schau, gleichsam "die Vorschule, die Einführung, das Propädeutikum" zum Werk des großen Flamen geboten habe. Bis Sonntag ist die Sonderausstellung der Albertina, die bisher rund 210.000 Besucher gesehen haben, noch geöffnet. Dann reist ein Teil der Exponate an das Metropolitan Museum nach New York, der andere Teil geht an die internationalen Leihgeber zurück. Der Rubens-Marathon ist noch lange nicht zu Ende.(APA)

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