Spaniens Regierung will harte Linie

10. Dezember 2004, 18:24
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Forderung: Fünf Jahre Stadionverbot und 60.000 Euro Strafe

Madrid - Der Rassismus hat sich wie ein Domino-Effekt im spanischen Fußball ausgebreitet. Dem Rekordmeister Real Madrid und dem spanischen Verband (RFEF) drohen Sanktionen der Europäischen Fußballunion UEFA und des Weltverbandes FIFA, nachdem dunkelhäutige Spieler im Bernabeu-Stadion mit Hassgesängen verhöhnt worden waren. Die Ereignisse werfen auch einen Schatten auf Madrids Olympia-Kandidatur für 2012. Spaniens Sportoffizielle mussten sich eine "Vogel-Strauß-Politik" vorwerfen lassen.

Nun aber kündigte die Madrider Regierung eine harte Linie gegen rassistische Beleidigungen an. Die Kommission zur Bekämpfung der Gewalt verabschiedete einen Sofortplan, der die Schaffung eines "Rassismus-Observatoriums" vorsieht. Teilnehmer an rassistischen Ausschreitungen sollen identifiziert und hart bestraft werden. Das Gremium, dem Vertreter des Staates und der Sportverbände angehören, verlangt, dass bei rassistischen Anfeindungen die Höchststrafe verhängt wird - fünf Jahre Stadionverbot und 60.000 Euro Geldbuße.+

Aragones als Auslöser

Der Rassismus-Skandal im spanischen Fußball war allerdings nicht von rechtsradikalen Fans ausgelöst worden, sondern von keinem Geringeren als Nationaltrainer Luis Aragones. Der 66-Jährige hatte im Zusammenhang mit dem Franzosen Thierry Henry (Arsenal London) von "Scheißneger" gesprochen. Dies löste eine Welle von Zwischenfällen aus. Beim Länderspiel Spanien gegen England (1:0) und bei der Champions-League-Partie Real Madrid gegen Bayer Leverkusen (1:1) verhöhnten Zuschauer die dunkelhäutigen Fußballer des Gegners mit Affengebrüll und rassistischen Gesängen. Aus den Erstliga-Stadien in Malaga und Getafe wurden ähnliche Vorkommnisse gemeldet.

Unter den Verantwortlichen herrscht Einigkeit, dass nun etwas geschehen muss. Bisher hatte in Spanien die Neigung bestanden, den Rassismus im Fußball zu ignorieren. Für Real bedeutet dies, dass der Klub sich wieder einmal mit seinen - nicht gerade "königlichen" - Fans der "Ultrasur" herumärgern muss. "Die Devise muss jetzt Null-Toleranz lauten", fordert das Sportblatt "As". "Aber wirklich null Komma null. Nette Worte und ein paar Kontrollen reichen nicht."

Noch schwieriger liegen die Dinge beim Verband RFEF. "Der Verband hätte Aragones auf der Stelle hinauswerfen müssen", beklagt der Schriftsteller Vicente Molina Foix. Aber der RFEF-Präsident Angel Maria Villar denkt nicht daran. Er steht ohnehin im Ruf, gerne ein Auge zuzudrücken.(APA/dpa)

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