Bücher gehören gehört

10. Dezember 2004, 10:30
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"Hörbücher haben Zukunft", sagt der Internetverleger Herbert Ziehensack. Und damit jeder sich was vorlesen lassen kann, bietet er sie kostengünstig zum Download an

Zeitlebens, sagt Herbert Ziehensack, ist er auf der Suche nach Marktlücken. Jetzt hat er wieder eine gefunden: Ziehensack ist derzeit vor allem Hörbuchverleger. Kein gewöhnlicher, denn Ziehensacks Internetverlag www. hoerbuch.cc könnte seinen Vorstellungen nach für das Genre durchaus so etwas sein wie die Apple-Plattform iTunes für die Musik.

"Aboriginer aus Wien"

Wer dem 59-jährigen "Aboriginer aus Wien" - so seine Eigendefinition - gegenübersitzt, blickt in zwei treuherzige, lebhafte Augen, und so wie seine Augen artikuliert er sich auch. Einmal auf sein derzeitiges Projekt angesprochen, spult er los und hört erst auf, wenn er "hoffentlich alles gesagt hat, was wichtig zu wissen ist". Etwas, was er mit seinen Produkten wohl gemeinsam hat.

Ziehensacks Geschäftsidee wurde auf der Autobahn geboren. Konkret war das vor ein paar Jahren, als der Elektronikingenieur, damals unterwegs als Hotelier, zwischen dem steirischen Irdning und Wien pendelte. "Während der Fahrt immer nur Musik zu hören, hing mir schließlich aus den Ohren raus", erzählt er. Und da er immer schon gern gelesen hat - "allerdings habe ich einen Lieschen-Müller-Geschmack", gibt er zu - schaute er sich nach Hörbüchern um. Das Angebot seinerzeit, wir schreiben noch das vorige Jahrhundert, befriedigte ihn allerdings nicht sehr. Also startete er, dem Ingenieur ist nichts zu schwör, die ersten eigenen Versuche. "Damals habe ich mich allerdings mit dem Urheberrecht und all den anderen Rechten nicht so recht ausgekannt und musste Lehrgeld bezahlen", sprudelt es aus ihm heraus.

Von A bis Z

Der Durchbruch kam vor gut einem Jahr, als er einerseits das Internet als Vertriebsweg und andererseits das Komprimierungsformat MP3 für sich entdeckte. "Wissen S'", führt er aus, "i halt nix von den Hörbüchern großer Verlage, die ein gutes Buch auf zwei CDs packen, des is ja bloß a bessere Inhaltsangabe, aber wenn ma a guates Buch im Original wirken lassen will, braucht ma ja viele Scheiben - und des wiederum ist einerseits unwirtschaftlich und obendrein wird der Kunde zum Diskjockey". Mehr als 130 Hörbücher aus eigener Produktion finden sich mittlerweile auf der Plattform. Das Angebot reicht von "Ali Baba und die 40 Räuber" bis zu Helmut Zenkers "Kottan"-Romanen. Aber auch Bücher finden sich, "die für Laien eigentlich unlesbar sind": etwa Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" oder Immanuel Kants "Kritik der reinen Vernunft". Drei Euro verlangt er für den Download eines Hörbuchs mit durchschnittlich vier Stunden Vorlesedauer.

Das Kreuz mit den Raubkopierern kennt er wohl, doch statt aufwändiger Kopierschutzsysteme bittet er lieber um "fair use". "Hörbücher haben Zukunft", ist Ziehensack überzeugt und denkt dabei gar nicht an die Pisa-Studie. "Gesprochene Reiseführer, O- Töne aus Radiosendungen", fängt er an und ist mitten in der Fortsetzungsgeschichte. (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgeb, 2.Dezember 2004)

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