Suchtgiftbericht 2004: Immer mehr Österreicher bekennen Drogenerfahrung

5. Dezember 2004, 19:54
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Männer, Junge und Stadtbewohner konsumieren häufiger - die Zahl der Drogentoten ist leicht gestiegen - mit Grafik

Laut dem eben erschienenen "Bericht zur Drogensituation 2004" ist die Zahl der Drogentoten in Österreich im Vorjahr leicht gestiegen. Gleichzeitig mit dem Erscheinen des Berichts vermeldeten Kriminalisten in Graz und Wien aktuelle Erfolge in der Drogenfahndung.

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Wien/Graz - In Österreich starben im Vorjahr 189 Menschen an den direkten oder indirekten Folgen von Drogenkonsum. Diese Zahlen liegen seit Freitag im "Bericht zur Drogensituation 2004" des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheitswesens (ÖBIG) vor. Die Zahl der erfassten Todesopfer, die zu 96 Prozent Opiate konsumiert hatten, stieg damit um zehn gegenüber 2002 an.

Mehr "Bekenner"

Immer mehr Österreicher geben laut der aktuellen Studie an, bereits illegale Drogen probiert zu haben. Von 670 Befragten im Alter über 15 Jahren gaben 16 Prozent an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben, 1993 sagten das nur fünf Prozent der Befragten. Dieser Sprung könne allerdings auch lediglich mit einer höheren "Bekennerrate" zu tun haben, räumt Sabine Haas vom Autorenteam des Berichts ein.

Männer, Junge und Stadtbewohner konsumieren häufiger

Am häufigsten sind junge Erwachsene bis 30, Stadtbewohner und Männer betroffen. Eine Befragung in der Steiermark unter 1000 Probanden zwischen 14 und 60 ergab etwa: 29 Prozent der Grazer haben schon einmal Drogen genommen.

Ein Viertel der Jugendlichen hat Erfahrung

Eine österreichweit durchgeführte Befragung von 5619 Schülern im Alter von 13 bis 18 Jahren ergab, dass mindestens ein Viertel der Jugendlichen ebenfalls bereits mindestens einmal mit Drogen "Erfahrungen gemacht" hat.

Angebot bei Partys und in Discos

Danach gefragt, wo sie Drogen angeboten bekommen, antwortete die Hälfte von 1549 Österreichern zwischen 14 bis 30, dass dies auf Partys oder in Discos passiere. Sechs bis neuen Prozent gaben an, "vor der Schule" angesprochen worden zu sein.

Immer mehr begeben sich in Drogenersatztherapien

Als positiv wird hervorgehoben, dass sich immer mehr Drogenkranke in Drogenersatztherapien mit Substitutionsmitteln begeben. Allerdings blühe ein Schwarzmarkt mit diesen Substanzen.

Dealerring gefasst

Die "Gemeinsame Ermittlungsgruppe Drogen" (GED) der Grazer Polizei gab am Freitagvormittag einen erfolgreichen Einsatz bekannt. In Graz und Leoben wurden elf Verdächtige verhaftet: Die Männer aus Österreich, Algerien, Marokko und Rumänien hatten im Großraum Graz gedealt. Bei dem Einsatz wurden 27 Kilogramm Cannabisharz und 440 Gramm Kokain beschlagnahmt. Ein Verdächtiger aus Rumänien hatte in seiner Heimat Suchtgift-Spürhunde der Polizei ausgebildet.

Auch in Niederösterreich und Wien wurde am Freitag bekannt gegeben, dass ein Dealerring gesprengt und über zwei Kilo Cannabiskraut und 40 Gramm Cannabisharz sichergestellt wurden. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 4.12.2004)

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    Drogen in Österreich

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