Rebellenangriffe fordern mindestens 30 Tote

5. Dezember 2004, 11:49
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Polizeistation in Bagdad gestürmt: 16 Polizisten getötet - Autobombe vor Moschee tötet 14 Menschen - Zwei Kommunalpolitiker ermordet

Bagdad - Angriffe auf eine Polizeiwache und eine schiitische Moschee in Bagdad haben am Freitag mindestens 30 Menschen das Leben gekostet. Unter den Opfern waren 16 irakische Polizisten. Zu dem Anschlag auf die Polizeiwache bekannte sich die Terrorgruppe unter Führung des jordanischen Extremisten Abu Musab al-Zarqawi. In der Ortschaft Khalis nördlich von Bagdad wurden zwei Kommunalpolitiker ermordet.

Im westlichen Bezirk Amil stürmten Rebellen eine Polizeistation. Sie setzten Panzerabwehrraketen, Mörsergranaten und Schusswaffen ein. Die Angreifer plünderten die Waffenkammer, ließen etwa 50 Gefangene frei und setzten Einsatzfahrzeuge in Brand. Mindestens 16 Beamte wurden erschossen, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Einige Häftlinge erlitten Verletzungen. Ob es auch auf Seiten der Angreifer Opfer gab, war zunächst nicht bekannt. In dem Bekennerschreiben, das im Internet veröffentlicht wurde, war von 30 Toten die Rede.

Zarqawi-Gruppe bekennt sich

"Die zerstörerische Wirkung solcher Operationen auf die Moral des Feindes im Inneren und seinen Ländern und Leuten im Ausland ist klar", hieß es in der Erklärung der Zarqawi-Gruppe. Die Opfer werden als "Abtrünnige" bezeichnet, die "ihre Religion, ihre Ehre und ihr Land verkauft" hätten.

Zarqawi und seine Gefolgsleute werden für einige der verheerendsten Anschläge im Irak verantwortlich gemacht. Die Zarqawi-Gruppe erklärte auch, sie habe bei einem Angriff im westlichen Hauptstadtbezirk Nafk al Shorta alle Polizisten getötet, die zu zwei Streifen gehörten. Dafür gab es zunächst keine Bestätigung von den Behörden.

Autobombe tötet 14 Menschen

Im nördlichen Stadtbezirk Asamijah explodierte eine Autobombe in der Nähe der schiitischen Hamid-al-Nadshar-Moschee. Der Anschlag ereignete sich während eines Gefechts zwischen irakischen Sicherheitskräften und bewaffneten Aufständischen. Nach Krankenhausangaben wurden 14 Menschen getötet und 19 weitere verletzt. Asamijah galt einst als Hochburg der Anhänger des gestürzten Staatschefs Saddam Hussein.

In der Ortschaft Khalis nördlich von Bagdad wurden zwei Kommunalpolitiker ermordet. Die beiden Männer waren nach Behördenangaben auf dem Weg nach Bakuba, wo sie an einer Konferenz zur Vorbereitung der Wahlen teilnehmen wollten.

Widerstand in Falluja

Ein Sprecher des US-Militärs teilte unterdessen in Bagdad mit, in der westirakischen Stadt Falluja gebe es noch immer vereinzelt Widerstand, obwohl irakische Sicherheitskräfte und US-Militär die einstige Rebellenhochburg unter ihre Kontrolle gebracht haben. Die aus der Stadt geflohenen 200.000 Bewohner Fallujas könnten noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Bei der Operation "Morgendämmerung", die am 8. November begann, sind 71 US-Soldaten ums Leben gekommen. Die Zahl der getöteten Rebellen und Zivilisten ist unklar.

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer traf am Freitag überraschend zu einem Besuch in Bagdad ein. Er traf in der irakischen Hauptstadt mit NATO-Soldaten zusammen, die im Rahmen einer Ausbildungsmission der Allianz seit August dort stationiert sind. Der Besuch De Hoop Scheffers war nicht angekündigt worden. Es ist das erste Mal seit dem Krieg, dass ein ranghoher Vertreter der Allianz den Irak besucht. Derzeit sind rund 70 NATO-Ausbildungsoffiziere und unterstützendes Personal in Bagdad. Insgesamt will die Allianz bis zu 300 Soldaten für die Mission abkommandieren. (APA)

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