Geriatrie Favoriten: Chronik der Mängel

5. Dezember 2004, 19:57
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Die Bauchronik ist die mangelnde Planung eines Großprojekts - Kontrollamt kritisiert Mehrkosten, Auftragsvergabe und Baumängel

Wien - Geplant waren Kosten von etwas mehr als 30 Millionen Euro, die man für den Neubau des Geriatriezentrums im Favoritener SMZ Süd ausgeben wollte. Geworden sind es dann knapp über 50 Millionen. Die Bauchronik dazu ist eine über mangelnde Planung eines Großprojekts, über Architekturwettbewerbe, die der letztgereihte dann gewinnt und nicht zuletzt über Baumängel, die Pfützen in der Spitalsküche und undichte Toilettentüren bescheren.

Nachzulesen ist das in einem Bericht des Wiener Kontrollamts, der dem DER STANDARD vorliegt. Der Umbau war von 1999 bis 2003 ein Großprojekt des Wiener Krankenanstaltenverbunds (KAV).

Vergabeverfahren

"Wie hier mit dem Vergabeverfahren umgegangen wurde, ist unerträglich", meint die Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, Sigrid Pilz. "Die politische Aufsicht hat überhaupt nicht funktioniert. Mit welcher Nachlässigkeit dieses Planungsvorhaben angegangen wurde, ist auch unglaublich."

Hintergrund der Kritik: Aus einem Architektenwettbewerb zum Bau des Geriatriezentrums wurden, weil sich kein eindeutiger Sieger ergab, die drei Kandidaten mit der höchsten Punktezahl im weiteren Wettbewerb zugelassen. Aber: Auch jener Kandidat, der in der ersten Runde an 13. und letzter Stelle landete, wurde weiter im Rennen belassen. Er gewann den Wettbewerb. Es handelt sich dabei um einen renommierten Wiener Architekten.

"Ad absurdum geführt"

Das Kontrollamt konstatiert dazu: ". . . der KAV hat mit dieser Vorgangsweise den Sinn eines Architekturwettbewerbs ad absurdum geführt". Beim KAV rechtfertigt man sich, "die Einladung von weiteren Bewerbern sollte offensichtlich weitere Impulse für den Wettbewerb bringen".

Das Kontrollamt hat aufgelistet, wie es in weiterer Folge zu Unstimmigkeiten über das Projekt gekommen ist. Da wird dokumentiert, wie nachträglich das Projekt geändert, aber die Auswirkung auf die Kosten nicht berücksichtigt wurde; dass derlei Vorgänge mangelhaft dokumentiert wurden, sodass die Verantwortlichkeit unklar ist.

In den Stellungnahmen seitens des KAV wird die Verantwortung dem Generalplaner zugeschoben. Gestiegen ist dessen Honorar: von über vier auf über sieben Millionen Euro. Das Kontrollamt sagt dazu, dass schon von vorne herein Richtlinien für die Abwicklung des Projekts nicht ausreichend definiert wurden.

In der Internen Revision des KAV wurde festgehalten, dass die Zustimmung für das Budget nur erfolgte, weil man einen teuren Baustopp verhindern wollte. (Peter Mayr, Andrea Waldbrunner, DER STANBDARD Printausgabe 3.12.2004)

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