Das Prinzip Kommunikation

4. Dezember 2004, 10:23
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Hans-Koller- Preisträger Esbjörn Svensson am Freitag und Samstag im Porgy & Bess

Wien - "Von Hans Koller habe ich erst gehört, als ich über den Preis verständigt wurde. Welches Instrument spielt er?" Zugegeben, die 50er- und 60er-Jahre, in denen der österreichische Jazzübervater international präsent war, sind doch schon ein Weilchen her. Und Esbjörn Svensson, der heute, Freitag, in Wien den nach dem im Vorjahr verstorbenen Saxofonisten benannten "Europäischen Jazzpreis" entgegen nehmen wird, ist kein Musikhistoriker, sondern Musiker - einer der erfolgreichsten seiner Branche.

So wie Hans Koller in seiner Hochzeit gilt der 40-jährige Schwede heute als Aushängeschild des europäischen Jazz. Über 100 Konzerte pro Jahr und für akustischen Triojazz erstaunliche Plattenverkäufe - das 2003 publizierte Album Seven Days of Falling hält bei 60.000 Stück - bescherten ihm den Ruf eines improvisierenden Popstars.

Erfolg im Trio

"Unser Vorteil ist, dass ich nicht allein, sondern im Trio auftrete", erklärt er sich selbst seinen Erfolg. "Wir sind seit elfeinhalb Jahren zusammen und haben unseren eigenen Sound entwickelt. Wir haben eingängige Melodien, starke Rhythmen - und wir klingen einfach nach E.S.T."

E.S.T., das ist das Kürzel des Esbjörn-Svensson-Trios, mit dem der Keyboarder auf die Relevanz der Beiträge von Bassist Dan Berglund und Schlagzeuger Magnus Öström verweist. Zu Recht, denn der oft simple Eklektizismus von Svenssons Pianistik, die zuweilen deutlich an Keith Jarrett und Chick Corea erinnert, findet erst im Bandkontext, im raffinierten, fast polyfonen Ineinandergreifen von melodischen und rhythmischen Strukturen zu jener Qualität der Doppelkodierung, die Zugänglichkeit mit Elaboriertheit versöhnt.

Dass Svensson dabei in der Präsentation auf Kunstnebel, Lichtdesign und Sing-along-Einlagen setzt, hat für ihn weniger mit der neuen Durchlässigkeit der Genregrenzen zwischen Pop und Jazz als mit seiner eigenen Biografie zu tun: "Ich war jahrelang Teil der Popszene Stockholms und fragte mich: Warum darf man im Jazz keine Scheinwerfer verwenden? Warum keinen eigenen Soundtechniker? Man sagt, Jazz will authentisch sein. Ich denke, dass Jazz genauso wie Pop kommerziell und große Kunst sein kann."

Keine Botschaft

Vom britischen Newcomer Jamie Cullum oder dem in den USA grassierenden Smooth Jazz grenzt sich Svensson freilich ab: "Wir schauen erst aufs Publikum, nachdem die Musik fertig ist - nicht umgekehrt." Und er ergänzt, auch im Hinblick auf das im Jänner erscheinende neue Album Viaticum (ACT/Edel): "Wir sind alle Reisende im Leben, denen wir mit unserer Musik eine Art Wegzehrung mitgeben wollen. Wir haben an sich keine konkrete Message. Außer jener der Kommunikation - innerhalb des Trios wie mit dem Publikum. Das ist auch etwas, das die Welt braucht."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2004)

Von
Andreas Felber

Termine

3. 12., 20.00: Verleihung der Hans-Koller-Preise an Svensson, Michael Mantler (Staatspreis), Lorenz Raab (Newcomer des Jahres), Herwig Gradischnig/Oliver Kent (CD des Jahres), Ingrid Oberkanins (Side(wo)man des Jahres)

4. 12., 20.00: E.S.T.;

Jeweils im Porgy & Bess, Wien 1., Riemergasse 11,
Link

hanskollerpreis.at

  • Keine Berührungsängste mit dem Mainstream: Esbjörn Svensson
    foto: e.s.t.

    Keine Berührungsängste mit dem Mainstream: Esbjörn Svensson

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