Österreichweit mehr arbeitslose Frauen im November

2. Dezember 2004, 18:38
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Insgesamt jedoch beginnt die Arbeitslosigkeit zu sinken: Rückgang um 0,6 Prozent im November

Wien - Die lange erwartete Trendwende sei dies zwar noch nicht, aber zumindest sei die Zunahme der Arbeitslosigkeit gestoppt worden. "Auch darüber kann man sich freuen." So kommentiert Wifo-Arbeitsmarktexpertin Andrea Pöschl die neuesten Arbeitsmarktdaten vom November.

Geringsfügige Abnahme

Erstmals seit April 2001 sank im vergangenen Monat die Zahl der Arbeitslosen, wenn auch geringfügig. Der Rückgang beträgt im Vorjahresvergleich 0,6 Prozent oder 1430 auf 246.726 Arbeitslose. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein zeigte sich via Krone "erfreut" über die Entwicklung. Die Opposition rechnet SchulungsteilnehmerInnen oder PensionsvorschussbezieherInnen sowie BezieherInnen von Übergangsgeld vor und spricht von "retuschierten Zahlen". SPÖ, Grüne, AK oder ÖGB kommen in ihrer "Hochrechnung" auf bis zu 327.000 Arbeitslose.

Der größte Unterschied zwischen Regierung und Opposition liegt in der Bewertung der SchulungsteilnehmerInnen. Diese TeilnehmerInnen an AMS-Maßnahmen werden, obwohl auf Jobsuche, offiziell nicht als arbeitslos gewertet. Die Zahl der SchulungsteilnehmerInnen stieg aber um knapp 6000 oder fast 14 Prozent auf mehr als 50.000 an. Pöschl sagte zum STANDARD: "Die Arbeitslosigkeit sinkt jetzt leicht, weil etwa die Beschäftigung um 1,1 Prozent gestiegen ist, aber sicher ist auch der Effekt der steigenden Schulungsteilnehmerzahlen relevant." Nachsatz: "Für eine Trendwende auf Arbeitsmarkt ist es zu früh, dafür ist das Wirtschaftswachstum zu schwach."

Licht und Schatten

Erfreuliches und weniger Erfreuliches liegen in den November-Arbeitsmarktdaten wie in den Vormonaten eng beieinander. So sank die Männer-Arbeitslosigkeit um 1,5 Prozent, doch es gibt mehr arbeitslose Frauen (plus 0,5 Prozent). Positiv ist sicherlich der markante Rückgang um 18,8 Prozent bei den Langzeitarbeitslosen, die bereits länger als ein Jahr ohne Arbeit sind. Unerfreulich ist hingegen die in nur einem Monat um elf Tage auf 112 Tage gestiegene durchschnittliche Verweildauer in der Arbeitslosigkeit. Damit ist ein durchschnittlicher Arbeitsloser bald vier Monate auf Jobsuche.

Auch auf dem Lehrstellenmarkt setzt sich die Entwicklung der Vormonate fort. Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist um 2,2 Prozent auf 5312 gestiegen. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen um 4,3 Prozent auf 1954.

Insgesamt sank die Arbeitslosenquote im Vorjahresvergleich von 7,2 auf 7,1 Prozent (nach nationaler Berechnung). Nach EU-Methode hat Österreich mit 4,5 Prozent nach Luxemburg und Irland die drittniedrigste Arbeitslosenrate in der Union. (Michael Bachner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12. 2004)

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