Übernahme am Bau: Porr kauft Wibeba

16. Dezember 2004, 13:46
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Porr-Aufsichtsrat entscheidet Übernahme der Wiener Baufirma Wibeba mit 800 Mitarbeitern und Vertragsverlängerung der Porr-Vorstände

Wien - Österreichs zweitgrößte Baufirma, die Porr, hat die im Hochbau starke Baufirma Wibeba übernommen. Verkäufer war die Bank Austria Creditanstalt nahe B&C-Stiftung, die auch mit 37 Prozent an der Porr beteiligt ist. Dem Deal zugestimmt haben freilich auch die beiden anderen Porr-Großaktionäre, die Städtische und der Unternehmer Klaus Ortner. Der Kaufpreis wird nicht bekannt gegeben.

Inklusive der Wibeba wird die Porr 2005 die zwei Milliarden-Euro-Umsatzgrenze deutlich übersteigen, sagte Pöchhacker zum STANDARD. Beide Firmen würden einander im Hochbau sehr gut ergänzen. Interessant für die Porr ist der Bereich Kommunalservice, in dem die Wibeba mehr als ein Viertel ihres Gesamtumsatzes von zuletzt 113 Mio. Euro erzielt.

Deutsche Billigbieter

"Mit einer Strukturbereinigung hat die Übernahme freilich nichts zu tun. Pöchhacker: "Durch die EU-Wettbewerbsrichtlinie und die seit einem Jahr massiv nach Österreich drängenden deutschen Baufirmen hat es keine Bedeutung für den Wettbewerb, wenn einer wegfällt." Der Hintergrund: Die deutschen Bauumsätze sind mangels Nachfrage heuer um neun Prozent eingebrochen. "Bevor die Firmen in Deutschland sicher hin sind, versuchen es etliche in Österreich noch ein letztes Mal und bieten um bis zu 40 Prozent billiger an", so die Erfahrung des Porr-Chefs. Das sind Markteintrittsstrategien, die "zum Teil in die Hose gehen, wie die ersten Konkurse deutscher Baufirmen in Österreich zeigen". Zu schaffen machen den Baufirmen auch die hohen Stahl- und Ölpreise, die dem Markt Investitionen entziehen, sowohl private als auch öffentliche.

Die rund 800 Wibeba-Mitarbeiter brauchen um ihre Jobs jedenfalls nicht zu fürchten: Die Porr habe nicht vor, sich von den Beschäftigten zu trennen. Auch bei der Übernahme der Teerag-Asdag kam es zu keinen Entlassungen, die Mitarbeiter wurden in den Porr-Konzern integriert. Die 1947 von der Gemeinde Wien gegründete Wibeba soll ab Beginn des nächsten Jahres zunächst als Beteiligungsfirma an die Porr-Holding angehängt und zu einem späteren Zeitpunkt in die Porr-Struktur eingebaut werden. Die Einrichtung einer vierten Säule im Konzernorganigramm (neben Teerag-Asdag, Porr Technobau, Porr Projekt und Hochbau) ist nicht geplant.

Die Wibeba ist schuldenfrei und wird nach Verlusten im Vorjahr heuer wieder positiv bilanzieren. Das Eigenkapital beträgt sieben Mio. Euro.

Bei der Porr selbst lief das Geschäft heuer sehr gut, wobei die größeren Zuwächse aus dem Ausland kamen. Zu den aktuellen Großaufträgen zählen der Bau der Autobahn M6 in Ungarn und der Wienerwald Tunnel. Gemeinsam mit der BA-CA hat sich die Porr um den Betrieb der Nordautobahn, dem ersten öffentlichen PPP-Modell, beworben.

Anleihe

Für nächstes Jahr kündigte Pöchhacker "Kapitalmaßnahmen" an. Nach der Dekonsolidierung des Projektentwicklers UBM, wodurch sich die Liquidität erheblich verbesserte, denkt Pöchhacker an die Begebung einer Anleihe im Volumen von 100 Mio. Euro.

Am Mittwochabend hat der Aufsichtsrat nicht nur den Wibeba-Kauf abgesegnet, sondern auch die Verträge des nach dem Ausscheiden Martin Hubers auf vier Mitglieder verkleinerten Porr-Vorstandes verlängert. Porr-Generaldirektor Horst Pöchhacker (66) wurde um drei Jahre verlängert, Wolfgang Hesoun (44), Peter Weber (55) und Helmut Mayer (51) bekamen fünf Jahre. Hesoun, für die Bereiche Logistik und Infrastruktur zuständig, wurde außerdem zum Vizegeneraldirektor und designiertem Nachfolger von Pöchhacker ernannt. (Claudia Ruff, Der Standard, Printausgabe, 03.12.2004)

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    Horst Pöchhacker zeigt es allen: Seit 22 Jahren im Chefsessel der Porr, wurde sein Vertrag nun wieder bis 2007 verlängert.

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