Foltervorwürfe gegen Militärausbildner in Freistadt

2. Dezember 2004, 20:25
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Bei Übungen sollen Rekruten mit Säcken über dem Kopf in Komposthaufen geworfen worden sein

Freistadt/Wien – Mit massiven Vorwürfen sieht sich jetzt die Tilly-Kaserne in Freistadt in Oberösterreich konfrontiert. Per E-Mail und im Gespräch mit dem Standard berichten Rekruten am Donnerstag von "schweren Misshandlungen durch Ausbildner".

Anlass für das Schreiben, so die ehemaligen Rekruten, die anonym bleiben wollen, seien die jüngst bekannt gewordenen Vorwürfe über Misshandlungsfälle in der deutschen Bundeswehr. Dort hatte es in den letzten Wochen immer wieder Geständnisse zu Übergriffen gegeben.

Ähnliche Übergriffe gegenüber Soldaten sollen im Jahr 2003 auch in der oberösterreichischen Kaserne gegeben haben. Laut den Schilderungen seien bei einer "fiktiven Geiselnahme Rekruten misshandelt und dabei von einem Ausbildner gefilmt worden sein".

Säcke über den Kopf gezogen

"Wir wurden gemeinsam nach einem 40 Kilometer- Marsch von den Ausbildnern entführt. Danach wurden uns Säcke über den Kopf gezogen. In weiterer Folge wurden wir brutal in einen eingewässerten Komposthaufen geworfen", lauten die Vorwürfe. Darüber hinaus sei bei der "Geiselnahme" vorgetäuscht worden, dass "wir angepinkelt werden und der danebenliegende Nachbar geprügelt wird". Betroffen seien 60 bis 80 Rekruten gewesen. Viele hätten große Angst gehabt und geweint. "Den Ausbildnern hat das sichtlich Spaß gemacht", so der junge Mann.

Schlussendlich hätten die betroffenen Soldaten "mit auf gesetzten Schutzmasken und mit Kriegslärm-Begleitung einen Test schreiben müssen". Das von den Ausbildnern gefilmte Video sei "unabsichtlich in die Hände von Soldaten gelangt".

Platter: "Ich dulde keine Übergriffe"

"Ich dulde keine Übergriffe", so die erste Reaktion von Verteidigungsminister Günther Platter (ÖVP) nach dem Bekanntwerden der massiven Vorwürfe. Noch am Donnerstag veranlasste er eine Untersuchung und informierte die Staatsanwaltschaft. "Sollte es tatsächlich derartige Verfehlungen gegeben haben, wird mit aller Härte darauf reagiert", stellte der Verteidigungsminister klar. Von der betroffenen Kaserne gab es bis Donnerstagabend keine Stellungnahme.

In der Tilly-Kaserne sind unter anderem zwei Kompanien des Jägerbataillons 15 stationiert. Benannt ist die Kaserne nach dem Feldherrn Johann Tserclaes Graf von Tilly, der im Dreißigjährigen Krieg die kaiserlichen Truppen nach der Absetzung Wallensteins kommandiert hatte. (Markus Rohrhofer; Kerstin Scheller; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2004)

Auch heimische Soldaten erheben nun schwere Vorwürfe gegen ihre Ausbildner. Bei Übungen sollen Rekruten mit Säcken über dem Kopf in Komposthaufen geworfen worden sein. Das Verteidigungs- ministerium untersucht die Vorwürfe.
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    Nun gibt es auch im österreichischen Bundesheer Vorwürfe, Ausbildner hätten Rekruten misshandelt

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