CNN-Medizin-Experte: Juschtschenko wurde möglicherweise mit Dioxin vergiftet

6. Dezember 2004, 14:21
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Ferndiagnose an ukrainischem Oppositionsführer: Chlorakne und Leberschädigung deuten auf Dioxin-Vergiftung hin

Washington - Der ukrainische Oppositionsführer Viktor Juschtschenko ist laut einem CNN-Bericht möglicherweise mit Dioxin vergiftet worden. Diese Ferndiagnose traf der Medizin-Experte des Senders, der Neurologe Sanjay Gupta in einem Bericht über die mysteriöse Erkrankung Juschtschenkos im ukrainischen Präsidentschaftswahlkampf. Die starken Hautveränderungen im Gesicht Juschtschenkos könnten Chlorakne sein, die bei Dioxin-Vergiftungen auftrete. Die seit der Erkrankung eher grünliche Gesichtsfarbe Juschtschenkos spreche für eine mit einer Dioxin-Vergiftung einhergehende Leberschädigung. Eine Dioxin-Vergiftung könne von den Ärzten auch noch nach der akuten Erkrankung durch eine Haut-Biopsie diagnostiziert werden, so Dr. Gupta.

Juschtschenko war am 10. September dieses Jahres mitten im ukrainischen Wahlkampf ins Wiener Privatspital Rudolfinerhaus eingeliefert worden. Die Ärzte diagnostizierten eine Entzündung im Magen, Dünndarm, in der Bauchspeicheldrüse und im Ohr sowie eine Leberschwellung und die Lähmung eines peripheren Gesichtsnervs. Sein Umfeld vermutete seitdem, dass er vergiftet worden ist.

Dioxin ("Seveso-Gift") wurde ursprünglich in Herbiziden und Entlaubungsmitteln (etwa "Agent Orange" im Vietnam-Krieg) eingesetzt. Insgesamt sind rund 210 solcher chemischer Verbindungen bekannt, allen voran 2,3,7,8-TCDD (Tetrachlordibenzo-p-Dioxin). Dabei handelt es sich um jene Substanz, die sich nach einem technischen Gebrechen bei der Herstellung des Desinfektionsmittels Hexachlorophen am 10. Juli 1976 im Chemiewerk Icmesa S.A. (Hoffmann-La Roche) in Seveso (Lombardei) in Form einer giftigen Wolke über die Region ausbreitete und für die bis dahin größte Chemie-Katastrophe sorgte.

Dioxine bzw. chemisch verwandte Stoffe gehören zu den giftigsten organischen Verbindungen. Akute Vergiftungen schädigen vor allem die Leber. Bei den Hautkomplikationen sind die langwierigen Entzündungen der Talgdrüsen (Chlorakne) bekannt. Dioxine können die Entstehung von Krebs fördern und bei Ungeborenen Fehlbildungen verursachen. (APA)

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