Albertina-Chef Klaus A. Schröder will die Österreichische Galerie

2. Dezember 2004, 22:26
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Gerbert Frodl wehrt sich gegen die "Fusion"

Wien – Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder legte unlängst ein Konzept vor, das die "Fusion" seiner grafischen Sammlung mit der Österreichischen Galerie vorsieht. Gegenüber dem STANDARD spricht dessen Direktor Gerbert Frodl vom "Versuch einer feindlichen Übernahme" – und wehrt sich: Er informierte VP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, die am Mittwoch im Kulturausschuss feststellte, dass die beiden Bundesmuseen "nicht zusammengelegt" würden. Angesichts plausibler Gerüchte schenkt SP-Kultursprecherin Christine Muttonen der Beteuerung allerdings keinen Glauben: Sie brachte eine Anfrage ein.

Schon vor zwei, drei Jahren spielte Schröder mit dem Gedanken, Albertina und Österreichische Galerie – im Endeffekt unter seiner Leitung – zusammenzuführen. Er argumentierte damals (in der Zeitschrift Parnass), dass der Künstler in der Regel nicht schizophren, eine Trennung von Zeichnung und Gemälde – im Leopold Museum konsequent durchgezogen – daher falsch sei. Ein Spartenmuseum wie die Albertina könne in seiner puren Form nicht mehr aufrechterhalten werden, weil dies zu einer "Verengung" führe: Schröder ergänzte in seinen Ausstellungen die Grafik immer mit Ölbildern – was ihm den Vorwurf einbrachte, der eigenen Sammlung nicht zu vertrauen.

Seine Wahl fiel auf die Österreichische Galerie, weil 80 Prozent der dort gesammelten Künstler auch in der Albertina vertreten seien. Schröder verfolgte seine Pläne vorerst aber nicht weiter: Gehrer verlängerte den Vertrag von Frodl bis Ende 2006. Da dieser dann mit 66 Jahren in Pension gehen dürfte, scheint Schröder einen Vorstoß zu wagen, bevor die Nachfolge geregelt wird.

Wilfried Seipel von Kunsthistorischen Museum (KHM) spricht sich gegen Schröders Takeover-Ideen aus: Weit sinnvoller sei eine Zusammenführung von Österreichischer Galerie und Leopold Museum ob der ähnlichen Sammlungsinhalte (Klimt, Schiele, Kokoschka). Frodl pflichtet bei: "Zukunftsprojekt ist eine engere Zusammenarbeit mit dem Leopold Museum – und mit dem Museum Moderner Kunst, auch wenn sich ein gemeinsames Museum der klassischen Moderne im ehemaligen 20er Haus nicht realisieren lässt."

"Stehen solide da"

Frodl und sein Chefkurator Tobias Natter sehen keinen einzigen Grund für eine "Fusion": Die Österreichische Galerie, als Staatsgalerie und damit als Gegenmodell zu den Habsburgischen Sammlungen gegründet, stehe "finanziell solide" da. "Wir können nicht nachvollziehen, wie Schröder auf ein Synergiepotenzial von 1,4 Millionen Euro kommt."

Sie vermuten, dass Schröder die begehrte Sammlung benötigt, um seine vier Sonderausstellungshallen bespielen zu können. Und sie erhalten Schützenhilfe: Auch Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, hält die Fusion für eine "Schnapsidee" – und spricht sich gegen weitere Machtkumulationen aus.

Albertina-Chef Schröder ließ ausrichten, keinen Kommentar abgeben zu wollen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2004)

Von Thomas Trenkler
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