Simuliertes Spielumfeld

10. Dezember 2004, 18:10
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Chemnitzer Wissen­schafter haben eine virtuelle Tischtenniswelt geschaffen - nur die Spieler und Schläger sind echt

Chemnitz - Informatiker an der Technischen Universität Chemnitz haben eine virtuelle Tischtenniswelt erschaffen. Wie die TU mitteilte, tritt ein Spieler mit einem ganz normalen Tischtennisschläger gegen den Computer an. Gespielt wird dabei mit einem virtuellen Ball auf einer computeranimierten Platte. Ball, Netz und Tischtennisplatte werden durch eine Rückprojektion auf eine Großbild-Leinwand erzeugt. Der Spieler selbst trägt nur eine 3D-Brille.

Computer erzeugen Szene für Betrachter

Wie Stephan Rusdorf, Professor für Graphische Datenverarbeitung und Visualisierung, erläuterte, erzeugen zwei handelsübliche Computer für jedes Auge des Betrachters eine Darstellung der Szene. Diese Bilder würden mit zwei Beamern über einen Umlenkspiegel auf eine vier mal drei Meter große Acrylglasscheibe projiziert. Vier Infrarotkameras nehmen dabei permanent Bilder von reflektierenden Kugeln auf, die an der Brille und dem Schläger des Spielers befestigt sind. Die Bildinformationen nutze das System, um die genaue Position und die Ausrichtung des Spielers sowie des Schlägers zu bestimmen. Zusätzlich komme ein Dolby-Surround-Soundsystem zum Einsatz, um die Akustik beim Spiel wie etwa den Aufprall des Balls auf den Schläger oder die Platte zu imitieren.

Simulation physikalischer Gesetze

Wie der Informatiker weiter erläuterte, werden alle in der Realität geltenden physikalischen Gesetzmäßigkeiten beim "Virtuellen Tischtennis" simuliert. So sei es zum Beispiel möglich, den virtuellen Ball wie in einem realen Spiel anzuschneiden. "Ein wesentlicher Vorteil der kamera-basierten Erfassung von Bewegungen besteht darin, dass die Bewegungsfreiheit des Spielers vollkommen erhalten bleibt und nicht durch Kabel behindert wird", berichtete Rusdorf.

Training in Echtzeit

In Zukunft wollen die Chemnitzer Informatik-Experten aufgezeichnete reale Spielsequenzen in die dreidimensionale Simulation integrieren. Dies würde es dem Spieler erlauben, spezielle Techniken in Echtzeit zu trainieren. Außerdem sei künftig ein so genanntes "haptisches Feedback" vorgesehen, das den Aufprall des virtuellen Balls auf den realen Schläger - eventuell durch Vibration - simuliert.

Nach Rusdorfs Angaben waren viele Spieler begeistert, als sie die Simulation getestet hatten. Sogar der Deutsche Tischtennis-Bund habe bereits Interesse bekundet. "Bevor unser System zu Trainingszwecken zum Einsatz kommen kann, müssen die Reaktionszeiten des Gesamtsystems - insbesondere der Kameratechnik - noch weiter reduziert werden", sagte Rusdorf. (APA)

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    derstandard.at
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