Pneumokokken: Killerkeime unterwegs

5. Dezember 2004, 13:00
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Generelle Impfung von Säuglingen und Kleinkindern könnte Todesopfer verhindern - Zehntausende Erkrankungen könnten verhütet werden

Wien - Killerkeime unterwegs: 60 Prozent der Kindergartenkinder haben im Rachen Pneumokokken. Wurden sie per Tröpfcheninfektion auf eine empfängliche Person - speziell Säuglinge und Kleinkinder - übertragen, drohen lebensgefährliche Sepsis, eitrige Gehirnhautentzündungen und viele andere Erkrankungen. Davor warnten am Donnerstag Experten bei einer Pressekonferenz in Wien. Für alle Kinder sei schon ab dem dritten Lebensmonat eine Pneumokokken-Impfung vorhanden und sehr empfehlenswert.

"Pneumokokken haben noch immer einen viel zu guten Ruf. Dabei sind sie eigentlich Killer", sagte Karl Zwiauer, Chef der Kinderabteilung am Krankenhaus St. Pölten. Am meisten sind Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis zum fünften Lebensjahr gefährdet. 60 Prozent der Kindergartenkinder tragen den Keim in sich. Bei Volksschülern sind es 30 Prozent. Erwachsene mit Kindern sind zu 20 Prozent "kolonisiert", Erwachsene ohne Kinder zu weniger als zehn Prozent. Treffen die Keime auf empfängliche Personen, können fulminante Infektionen die Folge sein.

Sepsis in neun von zehn Fällen

Bei diesen invasiven Infektionen käme es in neun von zehn Fällen zu einer Sepsis (Blutvergiftung, Anm.) oder zu einer Meningitis (Gehirnhautentzündung, Anm.). Die Pneumokokken sind die häufigsten Erreger eitriger Gehirnhautentzündungen im Kindesalter. Ein Viertel der Betroffenen trage Folgeschäden davon. Die Mortalität beträgt etwa zehn Prozent. Die Pneumokokken-Infektionen stellen ein globales Problem dar, das durch zunehmende Antibiotika-Resistenzen verschärft wird. Der Wiener Reise- und Tropenmediziner Herwig Kollaritsch rede von weltweit 1,2 Millionen Todesopfer pro Jahr.

Die Mittel zur Prophylaxe der Pneumokokken-Infektion wären vorhanden. Für Kinder ab dem dritten Lebensmonat gibt es einen speziellen Konjugat-Impfstoff. Es sind vier Injektionen notwendig. Für Erwachsene gibt es eine Vakzine, die speziell für ältere Menschen empfohlen wird.

Die Impfung empfiehlt Zwiauer für alle Säuglinge und Kleinkinder. Offenbar aus finanziellen Gründen wurde diese Kinder-Immunisierung nicht in die Reihe der generellen Gratis-Impfungen in Österreich aufgenommen. Risiko-Kinder - chronisch kranke Kinder, Frühchen, etc. - erhalten sie aber trotzdem kostenlos. Für alle übrigen Kinder gibt es eine Aktion, bei der der Impfstoff von rund 118 auf 79 Euro verbilligt wurde. (APA)

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