"Wir bräuchten diese verflixten Autobahnen nicht"

10. Dezember 2004, 19:26
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Freda Meissner-Blau verteidigt "angepasste" Grüne: "Aufzehrende Arbeit lässt wenig Raum, um auf Barrikaden zu steigen"

Wien - Für die grüne Galionsfigur der Besetzung der Stopfenreuther-Au vor nun 20 Jahren, Freda Meissner-Blau, ist die geplante Vertiefung der Donau das "große Hainburg-Thema" der Zukunft. Mit Standing Ovations, viel Applaus und Blumen wurde sie bei der Festsitzung der Grünen anlässlich "20 Jahre Hainburg" in der Wiener Urania am Donnerstag Vormittag gefeiert. Vieles sei seitdem erreicht worden. Aber die Grünen wollen sich darauf nicht ausruhen: Umweltsprecherin Eva Glawischnig wies bei der Gelegenheit auf die Mängel in der österreichischen Energiepolitik hin, Bundessprecher Alexander van der Bellen hofft in Zukunft auf grüne Regierungsverantwortung, um die "richtigen Prioritäten" setzen zu können.

Aktuelle Sorgen und Ratschlag

"Was mich wirklich besorgt, ist die geplante Vertiefung der Donau": Die Parteimitbegründerin Meissner-Blau empfinde es als Absurdität, dass sich die Donau an einen "Supereurokahn" anpassen müsse und nicht der Kahn an die Donau. Die geplante Vertiefung von 2,80 Meter für die Schifffahrt zerstöre den Strom. Aber: "Wenn es um die Donau geht, das Symbol des Landes, dann werden die Menschen sagen: Das geht zu weit", hofft die frühere Parteichefin auf ähnliche Proteste wie vor 20 Jahren. Sie protestiert auch gegen die mangelnde Eisenbahnverbindungen nach Prag und Bratislava: Seit 15 Jahren seien die Regierung und die ÖBB unfähig, eine Hochleistungseisenbahn zu bauen. "Wir bräuchten diese verflixten Autobahnen nicht", meinte die grüne Grande Dame. Für die Grünen heute hat sie einen Rat parat: "Schlau sein, schlau sein, schlau sein, stark sein und zusammenhalten und das tuts". Denn die Welt sei komplizierter geworden und es brauche nun viel mehr Expertise als noch vor 20 Jahren, viel Know How sei notwendig. Mit Demonstrationen alleine sei es jedenfalls nicht getan.

Gedämpfte Leidenschaft

Nach gefragt, warum die Hainburg-Feier nicht in der Au stattfinde, sondern in der Stadt, wies sie gegenüber der APA darauf hin, dass "das wichtigste selbstverständlich in der Au passiert": Am 8. Dezember würden zahlreiche Au-Schützer, nicht nur Grüne, in der Stopfenreuther Au zusammenkommen. Zu ihrer kritischen Anmerkung in einem Zeitungsinterview, dass ihr die Grünen zu angepasst seien, meinte sie, dass die tägliche Parlamentsarbeit die Leidenschaft dämpfe. Sie tue sich natürlich von außen leichter und sei zudem sehr ungeduldig, denn sie sieht bei vielen Umweltthemen einen "Wettlauf gegen die Zeit". Die alltägliche Arbeit sei einfach sehr aufzehrend und so bleibe wenig Raum, um auf die Barrikaden zu steigen.

Van der Bellen: Viele Ziele nicht erreicht

Alexander Van der Bellen würdigte bei seiner Rede, dass nun jede Firma, die etwas auf sich halte, behaupte, umweltgerecht zu wirtschaften. Allerdings habe die Umweltpolitik seit Hainburg alles andere als alle Ziele erreicht. Er fragte sich, wie viel von der Botschaft von Hainburg tatsächlich außerhalb der Grünen gesichert sei. Ungeduldig ist auch der grüne Bundessprecher: "Mit dieser Ungeduld und Energie, Entschlossenheit werden wir 2006 all das was uns wichtig ist, ändern und wenn es nach uns geht, werden wir die richtigen Prioritäten setzen".

Glawischnig: "Riesiger Meilenstein"

Eva Glawischnig wertete die Besetzung der Hainburger Au als "riesigen Meilenstein": dass der Kraftwerksbau verhindert wurde und demokratiepolitisches Engagement genützt habe, stelle für die Grünen heute ein Wegweiser und Kompass dar. Regierungspolitiker würden hingegen immer wieder "alles schönreden" und "die Nadel verbiegen". Die Grünen würden aber "Kurs halten". Sie bedauerte, dass die Gegner einer "vernünftigen Energiepolitik" in Österreich die selben geblieben seien wie vor 20 Jahren: die Sozialpartner, die Industriellenvereinigung, die Wirtschaftskammer, die Arbeiterkammer und die Gewerkschaft. Im Klimaschutz sei Österreich längst kein Umweltmusterland mehr, und Themen der Gesundheitspolitik wie die Luftverschmutzung, die jährlich zu 15.000 Asthmaerkrankungen von Kindern führe, greife niemand auf, "außer uns selbstverständlich". Die Vizeparteichefin meinte abschließend: "Die Bundesregierung denkt an die nächsten Wahlen und an den Machterhalt und wir denken ganz einfach an die nächste Generation". (APA)

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    Freda Meissner-Blau: "Was mich wirklich besorgt, ist die geplante Vertiefung der Donau."

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