Ein Stoß ins violette Herz

10. Dezember 2004, 15:00
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Kronsteiner kritisiert nach 1:1 gegen Brügge englischen Referee Styles - Stützen Kiesen­ebner, Papac und Didu­lica fehlen in Utrecht

Wien - Der Last-Minute-Gegentreffer im UEFA-Cup-Schlüsselspiel gegen Club Brügge hat die Wiener Austria am Mittwoch Abend mitten ins violette Herz getroffen. Aus verfrühter Aufstiegseuphorie wurde mit einem Schlag Katzenjammer. "Unsere Situation ist nicht leichter geworden, jetzt brauchen wir drei Punkte in Utrecht", weiß Sportmanager Günter Kronsteiner, der nach Schlusspfiff so wie Torschütze Radoslaw Gilewicz und Co. extrem enttäuscht war.

Frank Stronach bleibt optimistisch

Hinzu kommt die Tatsache, dass im entscheidenden Match am 16. Dezember in den Niederlanden mit Markus Kiesenebner und Sasa Papac (beide gesperrt) zwei weitere Stammspieler fehlen werden, außerdem dürfte der blessierte Stammtorhüter Joey Didulica heuer kaum mehr spielen können. Big-Spender Frank Stronach, mit Fanschal ausgestatteter Daumendrücker auf der Tribüne, ist dennoch optimistisch: "Ich bin zuversichtlich, dass der Aufstieg gelingen wird." Auch Kapitän Ernst Dospel richtete den Blick gleich wieder nach vorne: "Wir haben es selbst in der Hand, das ist das wichtigste."

Ganz gegen das sonstige Naturell Kronsteiners bekam diesmal der englische Unparteiische Rob Styles sein Fett ab. "Er lässt 90 Minuten lang englisch, hart spielen und dann pfeift er einen Freistoß, obwohl es keinerlei Körperkontakt gegeben hat", wunderte sich der Austria-Feldherr, dessen geduldige Abwartetaktik ("Ich wusste, dass wir Konterchancen bekommen") beinahe wie beim 1:0 gegen Saragossa mit drei Zählern belohnt worden wäre. "Das Tor hätte reichen können. Brügge hatte mehr Ballbesitz, wir aber mehr Chancen."

Nun richtet sich die volle UEFA-Cup-Konzentration auf Utrecht. Dass der aktuelle Tabellenfünfte der niederländischen Ehrendivision bereits ausgeschieden ist, habe laut Kronsteiner nichts zu bedeuten. "Die Utrechter sind bis jetzt klar unter Wert geschlagen worden. Sie wollen sich sicher mit einem positiven Resultat vom Heimpublikum verabschieden."

"Ein Schritt in die richtige Richtung"

Zum "Mr. Europacup" der Austrianer avanciert der polnische Goalgetter Gilewicz, der seinem Goldtor gegen Saragossa auch einen Treffer gegen die Belgier folgen ließ. "Bis zur 92. Minute war die Freude über mein Tor riesengroß, denn es ist alles voll nach Plan gelaufen. Der Ausgleich tat weh, das hat sich die Mannschaft nach dieser Leistung einfach nicht verdient", meinte "Rado", der von einer noch stärkeren Austria als im Match gegen Saragossa sprach. "Wir haben noch mehr nach vorne gespielt, wieder einen Schritt in die richtige Richtung gemacht."

Völlig kalt und unaufgewärmt hat sich Austrias Ersatzschlussmann Szabolcs Safar in die Europacup-Schlacht geworfen, nachdem sich Didulica verletzt hatte. "So ist das Leben eines Ersatztormanns", meinte der Austro-Ungar, der beim von Lange entscheidend abgefälschten Freistoß-Treffer von Balaban völlig chancenlos war. Didulica ("Ich hatte schon seit eineinhalb Monaten Schmerzen in diesem Bereich") zog sich eine Beckenrandprellung zu, Safar wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit das restliche Herbstprogramm bestreiten.

Für Verwirrung im Prater-Oval sorgten die nur relativ schwer zu unterscheidenden Trikots von Austria (violett) und Brügge (blau-schwarz). Am Spieltag um 10 Uhr waren die Dressen dem UEFA-Team vorgelegt worden, Beanstandung gab es jedoch kurioserweise keine. Bereits nach wenigen Minuten gab es von einigen Spielern heftige Proteste, ein Tausch der Dressen (das Auswärtsteam Brügge hätte wechseln müssen) fand jedoch nicht statt.

Die Gäste aus Brügge verließen das nach ihrer einstigen Trainerlegende Ernst Happel benannte Stadion im Gegensatz zu den Austrianern mit strahlenden Gesichtern. "Das Resultat geht in Ordnung. Für uns war das ein wichtiger Punkt. Nun hat Brügge gegen Saragossa gute Chancen, denn zu Hause sind wir eine Macht", erklärte Torschütze Bosko Balaban vor dem Heimflug. (APA)

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    Der Austria-Sieg war eigentlich schon eingespielt, da sorgte plötzlich ein abgefälschter Freistoß (92.) doch noch für die entscheidende Wende.

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