"Schöne Anerkennung" für Quantenkommunikation

10. Dezember 2004, 18:10
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EU-Wissenschaftspreis "Descartes" geht zur Hälfte an Projekt "IST-QuComm" unter Betei­ligung von Anton Zeilin­ger (Bild) und Harald Weinfurter - mit Grafik

Prag/Wien – Zum fünften Mal wurde der mit einer Million Euro dotierte EU Wissenschaftspreis Descartes für herausragende, grenzüberschreitende europäische Forschung vergeben, zum ersten Mal ist ein österreichisches Forscherteam unter den Gewinnern.

Das paneuropäische Siegerprojekt heißt "IST-QuComm". Neben dem Team des österrreichischen Experimentalphysikers Anton Zeilinger und dem Physiker Harald Weinfurter (Universität München) sind Wissenschaftler aus Schweden, Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Großbritannien und den USA beteiligt.

Quantentechnologie zur Schaffung hochsicherer Kommunikation

Ziel des Projektes: die Entwicklung der Quantentechnologie zur Schaffung hochsicherer Kommunikation. Die Quantenkryptographie gilt dabei als Hoffnungsträger bei der Optimierung verwundbarer Kommunikationssysteme, die oft Opfer von Datenraub- und missbrauch durch beispielsweise Hacker werden. Durch die Quantenkryptographie bekommen berechtige Teilnehmer Sicherheits-"Schlüssel" zugewiesen, die nach dem Zufallsprinzip der Quantenphysik erstellt werden.

Die damit verschlüsselten Nachrichten sind nicht nur vor unberechtigten Zugriffen geschützt, auch können "Lauscher" erkannt werden, bevor sie Schaden anrichten, denn sie hinterlassen in Quantensystemen immer ihre Fingerabdrücke. Der schwedische Projektleiter Anders Karlsson bescheinigte Zeilingers Team eine "Schlüsselrolle" im Projekt. Wobei Zeilinger – der "Vater" des Projektes, welches er 1995 initiierte – den internationalen Erfolg "zu einem Viertel" der Beteiligung seines Teams zuschreibt. "Der wissenschaftliche Output unseres Teams in Form von Publikationen ist sehr hoch", erklärte Zeilinger im Gespräch mit dem STANDARD über die "schöne Anerkennung".

Übertragung von Quanteninformation und Quantenkryptografie

Im April dieses Jahres bereits Zeilinger im Wiener Rathaus einmal mehr schlagend dargelegt, wie weit man mittlerweile im Umgang mit verschränkten Photonen gekommen ist: Erstmals wurden die so genannte Teleportation für die Übertragung von Quanteninformation über größere Distanzen und die absolut abhörsichere Verschlüsselung und Übertragung von Informationen per Quantenkryptografie für eine Banküberweisung eingesetzt.

Den Descartes-Preis teilen sich die Quantenphysiker mit Forschern aus dem Bereich Biowissenschaften. Die Gruppe MBAD (Mitochondriale Biogenese, Alterung und Erkrankung) identifizierte die Mutationen der lebenswichtigen Mitochondrien-DNA, die als mitverantwortlich für die charakteristischen Veränderungen beim Alterungsprozess sowie als Auslöser von Krankheiten wie Parkinson, Epilepsie, Diabetes oder Unfruchtbarkeit gilt.

Acht Finalisten

Insgesamt acht Finalisten aus den Bereichen Ingenieurswissenschaften, Chemie, Life- Sciences, Informatik und Physik stellten sich der Jury. Ein weiterer österreichischer Finalist war Peter Weinberger von der Technischen Universität Wien, der an der Entwicklung von Geräten mit größeren Speicher- und Verarbeitungskapazitäten arbeitet.

Österreichische Politiker priesen die Verleihung des Descartes-Preises als "Ansporn für viele andere Wissenschafter" (Bundeskanzler Wolfgang Schüssel), als "besten Beweis dafür, dass Österreich in Forschung und Wissenschaften international wettbewerbsfähig ist und in manchen Bereichen sogar zu den Besten gehört" (VP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer). Auch der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer gratulierte. (Erika Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2004)

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    Anton Zeilinger

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    Harald Weinfurter

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