Riesenwirbel um Doping-Urteil im Juventus-Prozess

10. Dezember 2004, 15:05
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Heftige Kritik der Welt-Antidopingagentur WADA am Freispruch von Geschäftsführer

Turin - Der Doping-Prozess um Juventus Turin schlägt in Italien weiter hohe Wellen. Die 22-monatige Gefängnisstrafe für Teamarzt Riccardo Agricola rückt die Erfolge des italienischen Fußball-Rekordmeisters in den 90er Jahren ins Zwielicht und hat zu weiteren Verdächtigungen und Ermittlungen geführt. "Ich habe hart gearbeitet und andere haben sich gedopt, was für eine Schweinerei", schimpfte Ex-Nationalspieler Gianfranco Zola.

Unterstützer von Juventus und Kritiker werfen sich gegenseitig Mafia-Verhalten vor. Das Nationale Olympische Komitee Italiens (CONI) rollt die 2001 fallen gelassenen Doping-Ermittlungen wieder auf. Von der Welt-Antidopingagentur (WADA) prasselte in den vergangenen Tagen heftigste Kritik auf Italiens Fußball ein. Dass Juve-Geschäftsführer Antonio Giraudo frei gesprochen wurde, bezeichnete WADA-Generaldirektor David Howmann als einen "Riesenskandal".

"Wenn ein Vereinsarzt gedopt hat, ist es richtig, dass er dafür bestraft wird. Aber er allein kann diese Medikamente doch nicht bestellt haben", sagte Howmann der "La Gazzetta dello Sport". WADA-Präsident Dick Pound hatte schon während der Olympischen Spiele in Athen Juventus im Falle einer Doping-Verurteilung mit Konsequenzen gedroht. "Wenn gedopt wurde, sollten Juve die Pokale weggenommen werden", zitiert die "La Gazzetta dello Sport" Pound am Donnerstag. Das Regelwerk sieht eine Aberkennung der Titel bisher allerdings nicht vor.

Während aus allen Richtungen scharfe Kritik auf Juve einprasselt, bereitet der Rekordmeister bereits das Berufungsverfahren vor. "Eine Verurteilung ist erst nach der letzten Instanz rechtskräftig", betont Giraudo, der "Juves Rechtschaffenheit" beweisen will. Der Klub will in der Berufung nachweisen, dass das entscheidende Gutachten von Prof. Giuseppe Donofrio fehlerhaft war.

Juve-Anwalt Paolo Trofino betonte, dass das Gutachten ein "höchstwahrscheinliches Epo-Doping" anführe. Diese Wahrscheinlichkeit aber reiche nicht für eine Verurteilung des Teamarztes aus und beziehe sich außerdem auf zwei Spieler, die sich zum Zeitpunkt der Blutwert-Analyse zur Behandlung im Krankenhaus und nicht im Spielbetrieb befunden hätten. "Ich bin überzeugt davon, dass Agricola schon in zweiter Instanz frei gesprochen wird", sagt Juve-Geschäftsführer Giraudo. (APA/dpa)

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