Pressestimmen: Dampfkessel Ukraine

4. Dezember 2004, 16:01
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"Daily Telegraph": Entwicklung der Entschlossenheit der Demonstranten zu verdanken

Madrid/London/Bern - Zum anhaltenden Machtkampf in der Ukraine schreibt die spanische Zeitung "El Mundo" (Madrid) am Donnerstag:

"Die schwere und äußerst gefährliche Krise in der Ukraine, die das Land praktisch lahm gelegt hatte, könnte nun doch auf friedliche Weise überwunden werden. Die Gesten guten Willens beider Konfliktparteien bedeuten zwar noch keine Lösung, aber sie bauen die Spannungen ab.

Die Ukraine hatte sich zu einem wahren Dampfkessel entwickelt, dessen Explosion schwere Auswirkungen auf die gesamte Region und auf die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen gehabt hätte. Die Zukunft der Ukraine bleibt weiter offen. Das Land wird entweder seiner alten Linie im Windschatten des Kreml treu bleiben oder einen Schwenk nach Westen nehmen."

"Daily Telegraph" (London):

"In erster Linie ist die Entwicklung denen zu verdanken, die Tage und Nächte lang in der Kälte auf den Straßen von Kiew demonstrierten. Die Zahl der Demonstranten und ihre Entschlossenheit war einfach zu groß. Die Ereignisse der letzten Tage unterstreichen die Notwendigkeit, die Wahlprozedur in der Ukraine transparenter zu machen. Aber auch die Beziehung zwischen Exekutive und Legislative muss überprüft werden. In einer funktionierenden Demokratie sollte es nicht möglich sein, den Willen der gewählten Vertreter des Volkes zu ignorieren. Der wahre Durchbruch könnte nun mit dem Urteil des Obersten Gerichts gelingen."

"Der Bund" (Bern):

"Internationale Vermittler können nur dann Erfolg haben, wenn die maßgeblichen ukrainischen Kräfte selber einsehen, dass ein neuer, gemeinsamer Anlauf nötig ist, um die Demokratie und den nationalen Zusammenhalt zu retten. Solange Oppositionsführer (Viktor) Juschtschenko darauf beharrt, sein Wahlsieg müsse nur noch festgestellt werden, und solange (Premier Viktor) Janukowitsch höchstens die schon in den 'Kasten' gebrachten Stimmen nochmals ausgezählt sehen will, so lange gibt es keine Aussicht auf demokratische Beilegung des Machtkampfs. Bei allem Respekt für die Disziplin der Demonstranten, aber auch der Ordnungskräfte, die sich nicht provozieren lassen, muss mit jedem Tag die Sorge wachsen, die 'orangene Revolution' werde doch noch einen blutigen Verlauf nehmen." (APA/dpa)

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