IAEO-Inspektoren fordern Zugang zu geheimen Militäranlagen

6. Dezember 2004, 19:39
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"New York Times": Geheimdiensterkenntnisse sprechen für Bau von Atomwaffen

Washington - Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA bzw. IAEO) in Wien hat den Iran laut einem amerikanischen Zeitungsbericht aufgefordert, Inspektoren der Behörde den Zugang zu zwei geheimen Militäranlagen zu erlauben. Wie die "New York Times" am Donnerstag unter Berufung auf Diplomaten in der österreichischen Hauptstadt berichtete, lassen Geheimdiensterkenntnisse darauf schließen, dass in den Anlagen möglicherweise am Bau von Atomwaffen gearbeitet wird. Den zitierten Diplomaten zufolge belegen Satellitenfotos offenbar Tests mit hochexplosiven Sprengstoffen belegen, wie sie auch zum Zünden von Atombomben genutzt werden. Zudem zeigten Beschaffungspapiere, dass der Iran Material gekauft habe, das für nichtnukleare Aktivitäten, aber auch zur Anreicherung von Uran benutzt werden könne, hieß es.

Militärkomplex Parshin und Lawisan II

Bei den verdächtigen Anlagen handele es sich um den Militärkomplex Parshin südöstlich von Teheran sowie um die relativ neue Anlage Lawisan II nordöstlich von Teheran. IAEA-Kontrolleure hegten den Verdacht, dass die Iraner in Parshin hochexplosiven Sprengstoff testen, wie er zur Detonation von Atomwaffen genutzt wird. Wie die Zeitung weiter schrieb, belegten sowohl Satellitenaufnahmen als auch Unterlagen über Bestellungen, dass das iranische Militär außerdem Ausrüstung geordert habe, die zur Urananreicherung genutzt werden kann.

Oppositionsgruppe: Entwicklung von Langstreckenrakete

Außerdem will eine iranische Oppositionsgruppe Beweise vorlegen, dass der Iran heimlich eine Langstreckenrakete entwickelt. Diese habe nach Darstellung der Volksmudschahedin eine Reichweite von mehr als 2.400 Kilometer und könnte damit auch Ziele in Europa wie Berlin treffen, schreibt die "New York Times". Diese Rakete solle angeblich auch als Träger für Atomsprengköpfe dienen können und werde mit Hilfe von Wissenschaftlern aus Nordkorea entwickelt.

Das Blatt weist darauf hin, dass die Volksmudschahedin in den USA offiziell als Terrororganisation gelten und dass ihre Informationen über Entwicklungen in Iran in der Vergangenheit nicht immer glaubwürdig gewesen sind. Allerdings hätten sich einige Angaben über das iranische Atomprogramm als wahr herausgestellt. (APA/Reuters/dpa)

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