Bosnien: EUFOR folgt auf SFOR

3. Dezember 2004, 20:24
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EU löst NATO ab - Hauptaufgabe besteht in der Verhaftung mutmaßlicher Kriegsverbrecher

Sarajewo - Die Europäische Union (EU) hat ihre bisher größte Militäraktion begonnen. Die EUFOR unter dem Kommando des britischen Generals David Leakey übernahm am Donnerstag in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik Bosnien-Herzegowina alle militärischen Aufgaben von der NATO. Die 7.000 Soldaten starke EU-Truppe mit dem Codenamen Althea soll die von der NATO seit neun Jahren geführte SFOR ablösen. Der Kommandowechsel fand in der Militärbasis Butmir bei Sarajewo statt.

Suche nach mutmaßlichen Kriegsverbrechern

Im Mittelpunkt der EUFOR-Aufgaben steht die Verhaftung mutmaßlicher Kriegsverbrecher, die trotz der Anklagen des UNO-Tribunals in Den Haag immer noch mit Hilfe der Behörden flüchtig sind. Daneben will die Truppe gegen die Organisierte Kriminalität vorgehen, die als wichtigste Stütze der untergetauchten Angeklagten betrachtet wird. Schließlich steht die Reform des bosnischen Militärapparates zur Vorbereitung auf die spätere NATO-Mitgliedschaft im Vordergrund. Die NATO wird sich nicht ganz zurückziehen, sondern mit einem Verbindungsbüro und 150 Soldaten in Sarajewo bleiben.

Übergabe mit Solana und De Hoop Scheffer

Zur feierlichen Kommando-Übergabe im Militärlager Butmir sind auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana und NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer gekommen. Bosnien-Herzegowina mache einen "wichtigen Schritt auf dem Weg zu einem dauerhaften Frieden und der europäischen Integration", sagte das serbische Mitglied des bosnischen Präsidenten-Trios, Borislav Paravac.

Nach dem im Dezember 1995 in Paris unterzeichneten Friedensabkommen für Bosnien-Herzegowina (Dayton-Vertrag) hatte die NATO zunächst mit dem IFOR-Mandat und ab Ende 1996 dann mit SFOR den Auftrag, in Bosnien für die Umsetzung der militärischen Aspekte des Friedensabkommens zu sorgen. Im Rahmen der Militärhilfe bleibt die NATO mit einem kleinen Kontingent auch künftig im Land vertreten. (APA/dpa)

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    SFOR wird abgezogen

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