Prinz Bernhard der Niederlande gestorben

2. Dezember 2004, 07:28
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93-Jähriger litt an Krebs - Umstrittene Rolle in NS-Zeit und in Lockheed-Affäre

Den Haag - Prinz Bernhard der Niederlande, Vater von Königin Beatrix, ist am Mittwoch im Alter von 93 Jahren gestorben. Die Familie sei bei ihm gewesen, teilte das Informationsamt der Regierung mit. Die Rundfunk- und Fernsehsender unterbrachen ihr Programm und gaben die Nachricht bekannt.

Nach einer schweren Erkrankung der Atemwege und ernsten Problemen mit einem Darmtumor war der Senior des Königshauses von Oranien Nassau am Nachmittag noch in das Universitätskrankenhaus von Utrecht gebracht worden. Dort konnte ihm jedoch nicht mehr geholfen werden. Am Abend wurde die Leiche nach Schloss Soestdijk zurückgebracht. Dort hatte er seit dem Tod seiner Frau, Ex-Königin Juliana, im März dieses Jahres, alleine gelebt. Juliana war im Alter von 94 Jahren gestorben.

Die Königin und die anderen Mitglieder der Königsfamilie hatten den Prinzen an den vergangenen Tagen regelmäßig besucht. In der vorigen Woche hatte der Hof mitgeteilt, dass sich der Gesundheitszustand des aus Deutschland stammenden Prinzen erheblich verschlechtert habe. Von ärztlicher Behandlung habe man aber abgesehen.

Er litt zuletzt an Atemschwierigkeiten, nachdem sich Metastasen in Lunge und Magen gebildet hatten. Der Prinz gehörte zu den beliebtesten Mitgliedern der niederländischen Königsfamilie. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende sagte vor wenigen Tagen, das ganze Land fühle während seiner Krankheit mit dem Prinzen.

Umstrittenes Verhältnis zu Nationalsozialisten

Bernhard zur Lippe-Biesterfeld wurde 1911 in Jena geboren und heiratete 1937 Prinzessin Juliana, die spätere Königin. Das Paar hat vier Töchter, Beatrix ist die älteste.

Bernhard war 1940 beim Überfall der Deutschen nach London geflohen und hatte von dort aus die niederländischen Exil-Streitkräfte organisiert. Nach dem Krieg ließ er sich als Widerstandskämpfer feiern. Allerdings war sein Verhältnis zu den Nationalsozialisten später umstritten.

Für große Aufregung hatte das staatliche Institut für Kriegsdokumentation mit der Enthüllung gesorgt, dass Bernhard in den dreißiger Jahren in Deutschland Mitglied der NSDAP und SA-Angehöriger war. Bernhard rechtfertigte dies später damit, dass er andernfalls sein Jusstudium nicht hätte abschließen können. Bei seiner Heirat legte er 1937 die deutsche Staatsbürgerschaft ab.

Verstrickung in "Lockheed"-Bestechungsaffäre

Seine Verstrickung in die "Lockheed"-Bestechungsaffäre kostete Bernhard in den siebziger Jahren den Posten des Generalinspektors der niederländischen Streitkräfte. Er musste auf seine militärischen Funktionen und auf seine Orden verzichten. Zuletzt stand der Prinz im Mittelpunkt eines Geheimdienst-Abhörskandals, dessen Opfer seine Enkelin, Prinzessin Margarita von Bourbon-Parma, war.

Im Vorjahr hatte sich Prinz Bernhard gegen den Vorwurf zur Wehr gesetzt, dass er im April 1942 einen Brief an Hitler geschrieben hätte. In dem Buch "Doppelspion" von Gerald Albers über eine frühere Mitarbeiterin verschiedener Geheimdienste verweist der Autor auf Behauptungen, der Prinz hätte sich im Zweiten Weltkrieg der deutschen Besatzungsmacht als "Statthalter" angeboten. Er habe niemals einen solchen Brief geschrieben, betonte der Prinz in einer Verlautbarung von Hof und Regierung. (APA/dpa/AP)

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    Prinz Bernhard der Niederlande

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