20 Jahre nach Au-Besetzung: Keine Entwarnung für Donau und Auen

6. Dezember 2004, 13:34
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"Die Donau ist nicht der träge Mississippi" - gigantische Straßenprojekte und Abgrabungen drohen

Wien - "Die Donau ist nicht der Mississippi", betont Ulrich Eichelmann vom World Wide Fund for Nature (WWF). Schon gar nicht auf der Strecke zwischen Bratislava und Wien, wo der Strom, anstatt träge dahinzufließen, den "Charakter eines Gebirgsflusses" an den Tag legt - mit hoher Erosionskraft und stark wechselnden Wassermengen.

Abgraben der Donausohle folgt erhöhte Fließgeschwindigkeit

Dadurch wiederum - so der WWF-Auenexperte bei einer Pressekonferenz anlässlich des dieser Tage beginnenden 20-Jahres-Jubiläums der Hainburger Aubesetzung - stünden Strom und Umland in engem Zusammenhang. In derart engem, dass "ein Abgraben der Donausohle auf 2,80 Meter, wie es das Infrastrukturministerium im Dienste der transeuropäischen Schifffahrt derzeit plant, ein Ausrinnen der Auen im Nationalpark zu Folge haben könnte." Mit möglichen Konsequenzen wie höherer Fließgeschwindigkeit und "eingeschränkter Geschiebedynamik", sodass "Fische und Vögel, die derzeit im Gebiet des Nationalparks überwintern, keine Schotterinseln mehr vorfinden."

Gigantische Straßenprojekte

Überhaupt - so ergänzte Heinz Högelsberger von der Umweltschutzgruppe Global 2000 - gebe es für die Donau derzeit keine Entwarnung: "Gigantische Straßenprojekte" wie Lobau- und Marchfeldautobahn drohten, den Strom samt Nationalpark "in die Zange zu nehmen". Aus diesem Grund sei der Jahrestag der Aubesetzung für ihn "ein Auftrag Donau und Donauauen aktiv zu schützen". Zur Erinnerung: Am 5. 12. 1984 war der Bescheid ergangen, dass das Kraftwerk Stopfenreuth gebaut werden könne. Daraufhin hatten Umweltschützer zur Besetzung der Hainburger Auen aufgerufen.

Aufseiten der Planer von heute schätzt man die Gefahren für den Strom als eher gering ein. Um die Risiken so gering wie möglich zu halten, werde man das Flussbett "in Furten vorerst auf 2,50 Meter absenken", erläutert Leo Grill von der Bundeswasserstraßenverwaltung. Dann werde man "abwarten, wie sich die natürliche Erosionskraft des Flusses auswirkt". Dies - so fügt Eichelmann hinzu - wisse man bisher nämlich nur aus Modellversuchen, nicht aus der Praxis. (bri, DER STANDARD Printausgabe 2.12.2004)

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    Nationalpark Donau-Auen - Auf der Strecke zwischen Bratislava und Wien fließt der Strom nicht träge wie der Mississippi sondern hat den "Charakter eines Gebirgsflusses"

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