Kampf dem Brustkrebs: Eine Frage der Geräte

6. Dezember 2004, 20:17
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Ein Bericht vom weltweit größten Radiologenkongress, der Jahrestagung der Radiological Society of North America

Die Materialschlacht ist gigantisch. Hunderte Anbieter von Medizintechnik sind auf tausenden Quadratmetern Ausstellungsfläche im Hyatt Regency Konferenzzentrum in Chicago bemüht, sich mit dem eigenen Produkt aus der Masse von zehntausenden Besuchern herauszuheben. Es geht um das einträgliche Geschäft mit der Gesundheit. Und wüsste man nicht, dass man auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America (RSNA), dem weltweit größten Radiologenkongress ist, man wähnte sich auf einem Hightechbasar.

Zwischen dem Besten und dem doch noch Besseren liegen zwar nur ein paar unmerkliche Promille Unterschied, dies aber nur, wenn man die gleiche Technik für die gleiche bildgebende Diagnostik miteinander vergleicht. Sieht man sich etwa die Früherkennung von Brustkrebs mittels Mammografie an, so ist es noch ziemlich egal, ob man dabei mit dem Röntgengerät des einen oder des anderen Herstellers untersucht wird. Die Ergebnisse sind in der Regel gleich miserabel.

Fragwürdige Effizienz

Auch mit den modernsten Computertomografen (CT) "hat die Mammografie eine maximale Effizienz von 70 Prozent", erklärt etwa Paul Smit, wissenschaftlicher Direktor von Philips Medical Systems. Soll heißen: Bei 30 Prozent der Frauen werde entweder kein Brustkrebs entdeckt, obwohl einer da ist, oder es werde Alarm gegeben, wo gar kein Mammakarzinom vorhanden ist - was neben den unweigerlichen psychischen Belastungen der betroffenen Frauen nicht selten zu schmerzhafter Gewebsentnahme führt.

Einer von fünf durch die Untersuchung entdeckten Tumoren ist zudem ein "In-situ-Karzinom", das nach bisherigem Wissen so gut wie nie zu einem Problem wird, dafür aber fast immer extrem aggressiv behandelt wird.

Und eine niederländische Studie, die von Radiologen ebenfalls in Chicago diskutiert wird, lässt gar den Verdacht zu, dass durch das Zusammenquetschen der Brust für die Mammografie mögliche Tumorzellen zum verstärkten Wachstum und zur Metastasierung angeregt werden. Abgesehen von der Belastung durch die radioaktive Strahlung bei der Mammografie - wenngleich diese bei modernen Geräten relativ vernachlässigt werden kann.

Wenn das so ist, wie können dann Studien davon ausgehen, dass flächendeckende Screenings tausende Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahren könnten?

Brisante Daten

Das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen wartete, wie DER STANDARD damals berichtete, in diesem Frühjahr bereits mit brisanten Daten auf: Jedes Jahr erkranken in Österreich 4500 Frauen an Brustkrebs, 1600 sterben daran. Mehr als 500 dieser Frauen könnten jedoch pro Jahr gerettet werden, wenn es ein nationales Früherkennungsprogramm gäbe.

Die Autoren der Studie konstatierten, dass etwa in Schweden die Einführung hochwertiger Mammografien für Frauen ab 50 "die Mortalität durch Brustkrebs um ein Drittel reduziert" habe. Für Österreich hieße dies: jährlich 464.000 Mammografien um knapp 22 Millionen Euro Untersuchungskosten.

Doch Paul Smit bleibt skeptisch: "Diese Studienergebnisse gelten nicht für Mammografien mit veralteten Röntgengeräten oder Computertomografen, wie sie mit Ausnahme der skandinavischen Länder in ganz Europa, so auch in Österreich, noch verbreitet sind. Die Ergebnisse gelten nur für moderne Magnetresonanztomografen" (MRI), klärt der Mediziner auf. Wolle Österreich durch Screenings derart positive Ergebnisse, müsse es zunächst entsprechende Geräte anschaffen.

Allein: Ein MRI, das für eine Brustuntersuchung etwa 15 Minuten braucht, kostet mehr als eine Million Euro, ein CT, das in derselben Zeit drei Frauen durchleuchtet, liegt bei gut 100.000 Euro. Tatsächlich aber zeigten MRI, bei denen im Vergleich zu CT keine radioaktive Strahlung frei wird, sondern das Gewebe nur einem Magnetfeld ausgesetzt wird, gerade bei Brustkrebs eine Effizienz von 95 Prozent - um 25 Prozentpunkte besser als CT. Doch sei es eine Frage des Geldes.

Die Professor Anthony Komaroff von der Harvard Medical School in Bosten so beantwortet: "Jeder Cent, den ich in bessere Technik investieren kann, kommt vierfach zurück. Weil ich weniger Todesfälle und kürzere Therapiezeiten habe." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 12. 2004)

Von Andreas Feiertag aus Chicago

RSNA
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