'steirischer herbst' in der Schuldenfalle

6. Dezember 2004, 21:35
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Peter Oswald gegen Ausfall des Festivals 2005

Graz - Die Kleine Zeitung setzt ihre Kampagne gegen den steirischen herbst unter Peter Oswald fort: Angesichts der Schulden von 1,45 Millionen Euro schlägt man vor, ihn 2005 ausfallen zu lassen bzw. durch einen Gegenherbst zu ersetzen, der von der IG Kultur und den Grazer Intendanten organisiert werden solle.

Oswald bedauert das "Kaputtreden" des international erfolgreichen Festivals: "Dies wäre ein Rückfall in die 70er-Jahre, als ein Direktorium, zusammengesetzt aus den Leitern der diversen Kulturveranstalter, die Geschicke des herbstes bestimmte. Aufgrund der damaligen Streitigkeiten hat man sich eben zum Intendantenmodell entschlossen."

Zudem bringe ein Ausfall 2005 nichts: Die Overheadkosten (Büro, Gehälter) würden bestehen bleiben, die Subvention des Bundes (560.000 Euro) und die Einnahmen (rund 350.000 Euro) aber entfallen. "Der einzige Effekt wäre, dass die Marke irreparabel schwer beschädigt wird." Davor warnt auch Veronica Kaup-Hasler, Oswalds designierte Nachfolgerin ab 2006: "Dieses Gedankenexperiment birgt die Gefahr, dass es von der falschen Seite missbraucht wird, um das Festival zu killen."

Zumal Oswald bestrebt ist, den herbst schuldenfrei zu übergeben. In Kalamitäten geriet er wegen der List-Halle: Die Einrichtung, Hauptgrund für den Kredit, kostete 1,9 Millionen Euro. Wie berichtet, soll der herbst den Mietvertrag an die Kulturservicegesellschaft des Landes abtreten dürfen. Und der Nachmieter müsse, meint Oswald, Ablöse bezahlen. Der Wert belaufe sich 2006 auf gut 1,5 Millionen Euro. Da ihm das Land geholfen habe, die diesjährige Rate von 450.000 Euro zu bezahlen, könne der herbst noch rund eine Million lukrieren. Dieser Betrag diene zur Rückzahlung der letzten Rate (1,06 Mio.), die 2006 fällig wird.

Das Land sträubt sich zwar dagegen. Kaup-Hasler stellt aber unmissverständlich fest, den herbst, wie ihr versprochen wurde, nur schuldenfrei zu übernehmen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.12.2004)

Von Thomas Trenkler
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