2.12.: Zentraler Bucheinkauf wird gestrichen

9. Dezember 2004, 13:08
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Antrag passiert Finanzausschuss

Wien – Eine kleine Sensation ereignete sich am Dienstag im Finanzausschuss des Nationalrates. Punkt sieben der Tagesordnung war ein Entschließungsantrag der SP-Kultursprecherin Christine Muttonen. Muttonen hatte schon im Sommer beantragt, den Artikel (Fach-)Buch aus der Einkaufsliste der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) zu streichen.

Wie mehrfach berichtet, würde jener zentrale Einkauf des Buches für alle Bundesinstitutionen die Existenz zahlreicher Buchhandlungen, zumal in den strukturschwachen Bundesländern, extrem gefährden. Ein Sterben der Buchhandlungen, ähnlich jenem, das nun für Postämter Wirklichkeit wird, stand zu befürchten. Nicht eben ein wirksamer Akt zur Förderung der Lesekompetenz der österreichischen Bevölkerung.

Nun wurde zwar Muttonens Antrag erwartungsgemäß durch die Regierungsmehrheit niedergestimmt. Aber nur – und hier liegt die Sensation – um durch eine ähnlich lautende, erweiterte Version der Regierungsparteien ersetzt zu werden. In ihrem gemeinsamen Antrag fordern VP und FP nicht nur einhellig die Streichung des Artikels Buch aus den Listen der bundeseigenen BBG, sondern darüber hinaus die Rücksicht der BBG auf Klein- und Mittelbetriebe auch außerhalb des Buchhandels. Der Antrag passierte mühelos den Finanzausschuss und geht nun an das Plenum.

In einem wesentlichen weiteren Punkt allerdings weicht die VP-FP-Version von Muttonens Antrag ab: Die Streichung des Buches aus den Listen der BBG soll erst in zwei Jahren, also nach Erfüllung der laufenden Verträge mit Morawa und Co., einsetzen. Auf diese Weise soll angeblichen Regressansprüchen von Morawa vorgegriffen werden.

Für Buchhändler und Bibliothekare bedeutet diese Verzögerung eine schwere Last: Laufende Daueraufträge – zumal für die hochkompliziert zu bestellenden Fachzeitschriften – müssen nun gekündigt werden, die zentrale Bestellung über Morawa beginnt mit 1.1.2005. In zwei Jahren dann soll erneut umgestellt werden. Und niemand garantiert, dass dann die leidgeprüften Bibliothekare gewillt sind, die gesamten Anstrengungen einer Umstellung erneut auf sich zu nehmen.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.12.2004)

Von
Cornelia Niedermeier
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