Bombardier streicht in Österreich 160 Jobs

1. Dezember 2004, 19:12
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Sprecher: 400 bis 450 Jobs können auch nur dann gehalten werden, wenn Aufträge vorhanden sind - Weltweit sollen 7.600 Stellen abgebaut werden

Wien/Montreal - Der kanadische Konzern Bombardier, dessen Verkehrstechniksparte am Dienstag internationale Restrukturierungsmaßnahmen bekannt gegeben hat, streicht im Laufe des nächsten Jahres auch 160 Jobs an den Standorten Wien und Wiener Neustadt.

Das bestätigte Ulrich Bieger, Bombardier-Sprecher in Berlin auf APA-Anfrage. In den beiden Werken, wo leichte Schienenfahrzeuge gebaut werden, werden heute 670 Personen beschäftigt, das entspricht 550 Fulltime-Jobs.

"Die Zielperspektive für Wien und Niederösterreich liegt bei 400 bis 450 Mitarbeitern", sagte der Sprecher. "Aber auch dafür ist die Voraussetzung, dass die erwarteten Aufträge kommen."

Details noch unklar

Wer gehen muss und ob es einen Sozialplan geben wird, ist noch unklar. Die Vorgaben zu den Restrukturierungsmaßnahmen würden nun an die lokalen Geschäftsführungen weitergegeben, diese träten dann "in Verhandlungen mit den Sozialpartnern. Der Prozess soll 2006 abgeschlossen sein", sagte der Sprecher.

Der Abbau von rund 200 Jobs war in Wien bereits seit längerem befürchtet worden.

Weltweit 7.600 Jobs weniger

Der weltgrößte Verkehrstechnikkonzern will nach einem Gewinnrückgang im abgelaufenen Quartal weltweit tausende Stellen in seinem Bahn-Geschäft abbauen. Deutschland ist demnach in besonderem Maße von dem geplanten Arbeitsplatzabbau betroffen.

Im dritten Quartal per Ende Oktober sei der Gewinn auf zehn Mio. Dollar (7,52 Mio. Euro) oder rund null Cent je Aktie gesunken nach 133 Mio. Dollar im Vorjahr, teilte das kanadische Unternehmen am Mittwoch mit. Der Umsatz stieg auf 3,63 Mrd. Dollar von 3,48 Mrd. Dollar.

In seiner Bahn-Sparte sollen weltweit wegen der Nachfrageflaute weitere 2.200 Stellen wegfallen. Zudem werde in der Flugzeugsparte die Produktion des 50-Sitzers CRJ200 gedrosselt. Stellenstreichungen seien daher in der Flugzeug-Sparte nicht erforderlich.

21 Prozent der weltweiten Belegschaft betroffen

Mit den nun angekündigten Streichungen werden den Angaben nach bis April 2006 in der Bahn-Sparte 7.600 Arbeitsplätze wegfallen, was 21 Prozent der weltweiten Belegschaft entspricht.

Der zusätzliche Stellenabbau betreffe 14 Länder und 27 Standorte. Vor allem betroffen seien aber Deutschland, Großbritannien und Kanada. Als Grund für den zusätzlichen Personalabbau nannte Bombardier die schwachen Prognosen für die Entwicklung des europäischen Marktes.

In Hennigsdorf bei Berlin ist früheren Unternehmensangaben zufolge der weltweit größte Bombardier-Bahntechnik-Standort. Wegen der verschlechterten Auftragslage in der Branche wurde dort zuletzt mit einem weiteren Stellenabbau gerechnet. (APA/Reuters)

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