Börse Wien muss zwei Milliarden Euro an Platzierungen verdauen

22. Dezember 2004, 11:33
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Analysten: Aufnahmefähigkeit für neue OMV- und TA-Aktien groß genug - BA-CA: Genug Geld da - Erste Bank: Osteuropa-Fantasie zur Zeit heiß

Wien - Analysten halten den Appetit nach österreichischen Aktien für groß genug, um auch größere Brocken wie die demnächst erwartete Platzierung von 17 Prozent an der Telekom Austria aus ÖIAG-Besitz sowie die Kapitalerhöhung und Wandelanleihe der OMV zu verdauen.

"In Summe reden wir über 2 bis 2,2 Milliarden Euro - das ist sehr viel Geld", sagte Bank Austria Creditanstalt (BA-CA)-Chefanalyst Alfred Reisenberger am Mittwoch zur APA. Von einem "Restrisiko" abgesehen sollten die Platzierungen aber gelingen: Der Markt sei in guter Verfassung und "es ist genug Geld da".

"Die Aufnahmefähigkeit ist groß genug - speziell im Bezug auf Osteuropa-Storys", meint auch der Österreich-Chefanalyst der Erste Bank, Günther Artner. Die Transaktionen würden hauptsächlich große internationale Investoren und nicht das heimische Retail-Publikum ansprechen. Zudem unterstreicht Artner bei beiden die guten Platzierungs-Storys: "Das Ostthema ist heiß im Moment."

"Geschwindigkeit für ÖIAG oberstes Gebot"

Bei der Telekom Austria (TA) rechnet Reisenberger mit einer raschen Platzierung des rund 1,1 Mrd. Euro schweren Aktienpakets: "Für die ÖIAG ist Geschwindigkeit oberstes Gebot." Mit der Fantasie einer möglichen Übernahme der bulgarischen MobilTel im Rücken sollte die Transaktion "relativ leicht" über die Bühne gehen.

Angesichts des OMV-Börsenkurses nahe dem Rekordhoch "schreit es richtig danach, etwas zu machen", meint Reisenberger. Vom Vorteil für die Finanzierungsrunde des Ölkonzerns sei, mit der rund 600 Mio. Euro schweren Kapitalerhöhung und der Wandelanleihe mit bis zu 550 Mio. Euro Volumen zwei unterschiedliche Investoren-Gruppen anzusprechen. Die alleinige Ausgabe von Aktien wäre schwieriger geworden, denkt der BA-CA-Analyst.

OMV bekommt mehr Geld als benötigt

Reisenberger stellt sich allerdings die Frage, "was die OMV mit dem vielen Geld macht". Die Verschuldung sei niedrig und mit der 10-prozentigen Beteiligung am ungarischen Ölkonzern MOL verfüge die OMV über eine Art "Barreserve", die verkauft werden könnte. Reisenberger nimmt aber an, dass die OMV den MOL-Anteil für allfällige "größere tektonische Verschiebungen" der Ölwirtschaft in Osteuropa behalten wolle.

An der Wiener Börse stieg die OMV-Aktie am Mittwochvormittag um 4,0 Prozent auf 206,29 Euro. Die Telekom wurde mit 12,87 Euro um 0,6 Prozent höher gehandelt. (APA)

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