Gefängnisse als "HIV-Fabriken"

1. Dezember 2004, 13:25
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Asiatische AktivistInnen warnen vor weiterer Ausbreitung der Seuche - Kritik an medialer Darstellung der Kranken

Bangkok - Mit landesweiten Veranstaltungen haben asiatische Staaten am Welt-Aids-Tag vor einer weiteren Ausbreitung der Immunschwächekrankheit gewarnt und zu Solidarität mit Infizierten aufgerufen. In den Medien würden HIV-Infizierte häufig als promiskuitiv und verantwortungslos dargestellt, kritisierten Aktivisten am Mittwoch in Taiwan. Aids-Organisationen in Indonesien und Thailand wiesen auf einen dramatischen Anstieg der Infektionen bei Gefängnisinsassen hin.

Gefängnisse seien regelrechte "HIV-Fabriken", kritisierte Elizabeth Pisani von Family Health International in Jakarta. Schlechte medizinische Versorgung, Drogenmissbrauch und ungeschützter Geschlechtsverkehr sind nach Ansicht der Aids-Aktivisten für eine Infektionswelle unter den Häftlingen verantwortlich. In Indonesien waren im vergangenen Jahr fast ein Viertel der Gefängnisinsassen HIV-positiv, wie die nationale Aids-Kommission mitteilte. Auch in Thailand und Kambodscha wurde eine Ausbreitung der Krankheit in Gefängnissen beklagt.

Über eine halbe Million Opfer 2004

Die Immunschwächekrankheit hat in Asien in diesem Jahr bisher 540.000 Menschen das Leben gekostet. In Thailand, einem der am stärksten betroffenen asiatischen Länder, war am Mittwoch eine Demonstration durch die Hauptstadt Bangkok geplant. In Tokio sollten auf einem Konzert zu Gunsten von Aids-Aktivisten 20.000 Flugblätter und Kondome verteilt werden.

Der von der Weltgesundheitsorganisation WHO initiierte Welt-Aids-Tag rückt in diesem Jahr vor allem das Schicksal betroffener Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt. Weltweit sind inzwischen rund 47 Prozent der 45 Millionen HIV-Infizierten Frauen. (APA/AP)

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