Der "Retter Wiens"

1. Dezember 2004, 12:31
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Von der "Operation Walküre" zur "Operation Radetzky"

Wien - Der am 25. August dieses Jahres verstorbene Carl Szokoll, nach dem nun der Hof des Verteidigungsministeriums in der Rossauer Kaserne benannt werden soll, gilt als der "Retter Wiens". Als Major der Wehrmacht versuchte er im April 1945 mit der anmarschierenden Roten Armee eine kampflose Übergabe Wiens zu vereinbaren. Die "Operation Radetzky" wurde zwar verraten. Szokoll konnte aber fliehen und die Sowjets überzeugen, die Stadt dennoch nach den ursprünglichen Plänen rasch einzunehmen.

Werdegang

Carl Szokoll, geboren am 15. Oktober 1915 in Wien, wollte als Kind eigentlich Schriftsteller oder Maler werden. Auf Druck des Vaters, selbst Soldat in der k.u.k. Armee und "Inkarnation der Unterordnung" trat er aber in den Wehrdienst ein, wie er selbst einmal schrieb. Er schwor Hitler den "unbedingten Gehorsam" und wurde als einer von 156 Leutnants der Ostmark von Hitler in Berlin persönlich begrüßt. "Hitler gab mir die Hand, hielt sie fest, ganz fest ...doch es war nicht der Messias, den ich da spürte, es war die Gewalt des Bösen." Er zog 1940 in den Krieg nach Frankreich, wurde aber von der "Resistance" in einen Hinterhalt gelockt und verwundet. Ein geplatztes Trommelfell machte ihn zum GvH, zu Garnisons-verwendungsfähig Heimat.

Szokoll kam zurück nach Wien und wurde einer der Verschwörer der "Operation Walküre", die Hitler "von innen, durch die Wehrmacht" stürzen wollten. Der Plan, Hitler durch einen neuen Oberbefehlshaber zu ersetzen und eine neue Reichsregierung einzusetzen, scheiterte. Das Bombenattentat durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg misslang. Stauffenberg und seine engsten Mitarbeiter wurden hingerichtet. Szokolls Mittäterschaft blieb unerkannt, er wurde sogar zum Major befördert.

"Operation Radetzky"

Der Widerstand setzte sich aber in der "Operation Radetzky" fort. Szokoll versammelte "Eidbrecher" um sich, verbündete sich mit der Widerstandsgruppe O5 und vereinbarte im April 1945 die Zusammenarbeit mit der Roten Armee zur kampflosen Übergabe Wiens. Die Deutsche Wehrmacht sollte durch fingierte Befehle abgezogen werden, die Rote Armee einmarschieren und gemeinsam mit den Radetzky-Einheiten des Widerstandes für eine Machtübernahme sorgen. Die Operation wurde aber verraten, führende Offiziere wurden verhaftet und hingerichtet. Szokoll überredete die Russen, den Plan trotzdem auszuführen und innerhalb von acht Tagen konnte die Stadt befreit werden.

Nach dem Krieg heiratete er seine Lebensliebe Christl und wurde Filmemacher. Carl Szokoll verstarb am 25. August 2004 und wurde in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt. (APA)

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