Hof des Verteidigungsministeriums nach Widerstandskämpfer benannt

10. Dezember 2004, 18:21
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Carl Szokoll wird auch bei Gedenkveranstaltung für den 60. Jahrestag der Befreiung Wiens von den Nazis gewürdigt

Wien - Der Hof des neuen Verteidigungsministeriums in der Wiener Rossauer Kaserne soll nach dem im August verstorbenen Widerstandskämpfer Major Carl Szokoll benannt werden. Das kündigte Verteidigungsminister Günther Platter (V) am Mittwoch beim Symposium "Der Ruf des Gewissens" in der Landesverteidigungsakademie an. Mit der Benennung solle auch der Widerstand gegen den Nationalsozialismus insgesamt gewürdigt werden, so der Minister.

Angekündigt

Szokoll wird zudem Gegenstand einer Gedenkveranstaltung für den 60. Jahrestag der Befreiung Wiens von den Nazis sein, die Platter für das Frühjahr ankündigte. Der später "Retter Wiens" genannte Offizier hat als Initiator der "Operation Radetzky" wesentlich dazu beigetragen, dass Wien vor der totalen Zerstörung gerettet werden konnte.

Das Symposium an der Verteidigungsakademie ist eines der Ergebnisse der Diskussion über eine Ehrung für Oberstleutnant Robert Bernardis im Juli. Der gebürtige Österreicher Bernardis war - so wie der damals unentdeckt gebliebene Szokoll - unter den Verschwörern des 20. Juli 1944. Nach dem gescheiterten Attentat des Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde Bernardis verhaftet und am 8. August 1944 hingerichtet.

Abgelehnt

Die im Frühsommer aufgetauchte Forderung nach der Benennung des Ministeriums-Hofes nach Bernardis erfüllte Platter nicht. Stattdessen wurde dem Offizier in der Ennser Kaserne ein Denkmal errichtet, dazu kamen die Planungen für das Symposium. Als dritten Punkt des Gedenkens an die Widerstandskämpfer führte der Minister wiederholt die Ausstellung "Tyrannenmord" im Heeresgeschichtlichen Museum an.

Im abgelaufenen Jahr habe das Bundesheer darüber hinaus einen "wesentlichen Schritt nach vorne" gemacht, so der Minister am Mittwoch. Man habe gelernt, drei Dinge zu vereinen: Die "respektvolle Erinnerung an alle Opfer des Zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus", die "würdigende Verneigung vor den Widerstandskämpfern" und das "ehrende Andenken" an die Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht gekämpft haben oder dabei gefallen seien.

"Der Tyrannenmord erfordert viel Mut sowie ein klares, starkes Gewissen."

Trotz der Ehrung für die Widerstandskämpfer dürften aber die anderen nicht verurteilt werden. Aus heutiger Sicht sei schwer verständlich, warum sich Millionen Soldaten bis zum bitteren Ende an ihren Eid gebunden fühlten. Viele hätten aber gar nicht die Möglichkeit zur Einsicht gehabt, "weil das diktatorische Regime mit Propaganda zudeckte, was unmenschlich war". Auch könnten die Gewissenskonflikte der Widerständler kaum nachvollzogen werden, die innere Gespaltenheit zwischen Fahneneid und Gewissen habe für viele den Schritt weg vom Regime zu einem "unüberwindbaren Hindernis" gemacht: "Der Tyrannenmord erfordert viel Mut sowie ein klares, starkes Gewissen."

Widerstand als Pflicht

Im Bundesheer habe man die Lehren aus diesem Umgang des Hitler-Regimes mit dem persönlichen Eid jedenfalls gezogen. In der allgemeinen Dienstvorschrift sei festgehalten, dass ein Befehl dann nicht zu befolgen sei, wenn er gegen das Strafgesetz verstoße. Platter: "Im österreichischen Bundesheer wird somit unter gewissen Umständen der Widerstand zur Pflicht."

Ausdrücklich betonte der Minister schließlich, dass die Widerstandskämpfer nicht erst heuer in die Traditionspflege des Bundesheeres aufgenommen worden seien. Bereits 1967 etwa sei eine Kaserne in Wien nach Major Karl Biedermann, Hauptmann Alfred Huth und Oberleutnant Rudolf Raschke benannt worden, die wegen der Beteiligung an der "Operation Radetzky" noch in den letzten Kriegstagen hingerichtet wurden. Die Ennser Kaserne wiederum ist nach Generalmajor Rudolf Towarek benannt, der sich 1938 geweigert hat, den Eid auf Hitler zu sprechen. Schließlich befinde sich am Fliegerhorst Nittner in Graz ein Denkmal für Oberstleutnant Josef Ritter von Gadolla, der von den Nazis standrechtlich erschossen, weil er die Stadt Gotha in Thüringen kampflos den amerikanischen Truppen übergeben hatte.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Carl Szokoll auf einem Archivbild aus dem Jahr 2001

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