Kroatien: Kurzfristige Wahltermin-Bekanntgabe als HDZ-Taktik

2. Dezember 2004, 15:58
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IHF-Direktor Puhovski: Kleine Kandidaten sollen weniger Zeit zum Unterschriften-Sammeln haben

Zagreb - Die kroatische Regierung hat am Dienstag den Termin für die Präsidentenwahlen bekannt gegeben. Hinter der kurzfristigen Festsetzung für den 2. Jänner 2005 steckt für den Direktor des Zagreber Büros der Internationalen Helsinki-Föderation (IHF), Zarko Puhovski, ein taktischer Zug des Kabinetts von Premier Ivo Sanader (Kroatische Demokratische Gemeinschaft/HDZ). "Sie machen das bewusst. Sie hoffen, dass einige der Kandidaten, die nicht gerade Favoriten sind, zu wenig Zeit haben könnten, die nötigen 10.000 Unterschriften zu sammeln", sagte Puhovski gegenüber der APA.

Zu diesen zählen unter anderen der frühere HDZ-Rechtsaußen und ehemalige Berater des verstorbenen Ex-Präsidenten Franjo Tudjman, Ivic Pasalic (Kroatischer Block/HB), sowie Slaven Letica von der HSP (Kroatische Partei des Rechts) oder Ex-Fußball-Teamchef Miroslav Blazevic. Für die HDZ wäre es durchaus positiv, würde einer dieser Bewerber die Kandidatur verpassen, so Puhovski: "Praktisch alle sind schwach, aber sie könnten der HDZ jeweils 1,5 bis zwei Prozent wegnehmen. Sie haben alle dieselbe Zielgruppe. Sie sind alle auf der rechten Seite. Und unwichtig. Aber zusammen könnten sie vier, fünf oder sechs Prozent erreichen."

Diese Stimmen würden sicher nicht zu Lasten des aktuellen Amtsinhabers Stjepan Mesic gehen, der diesmal vom Großteil der Oppositionsparteien (u.a. SDP/Sozialdemokraten, HNS/Volkspartei oder HSS/Bauernpartei) unterstützt wird, meinte Puhovski. In Umfragen liegt Mesic in der Regel weit vor der HDZ-Kandidatin Jadranka Kosor. Die Zeitung "Vecernji list" hatte ihn am Montag sogar mit 56,8 Prozent voran. Die aktuelle Ministerin für Familie, Generationen-Solidarität und Kriegsveteranen kam demnach nur auf 17,1 Prozent.

Außerdem erwarte sich die HDZ vom Termin am 2. Jänner - ursprünglich war ein Datum knapp vor Weihnachten ins Auge gefasst worden - weitere Vorteile, meinte der IHF-Direktor: "Am 1. Jänner werden rund 100.000 Kroaten das Land verlassen, um Skifahren zu gehen. Nach Slowenien, Österreich oder Slowakei. Das sind Leute der Mittelschicht, die überproportional Mesic wählen würden. Auf der anderen Seite bleiben die Gastarbeiter noch einige Tage in Kroatien, die eher für die HDZ-Kandidatin stimmen."

Da aber damit zu rechnen ist, dass die "kleinen Kandidaten" hauptsächlich der HDZ-Bewerberin Stimmen wegnehmen werden, ist Mesic auch für Puhovski klarer Favorit: "Er kann im ersten Wahlgang gewinnen. Aber das ist nicht ganz sicher." Hinter Kosor steht immerhin der Partei- und Wahlkampf-Apparat der HDZ. Der Präsident kann auf derartige Ressourcen nicht zurückgreifen. "Von den Parteien, die Mesic unterstützen, sind nicht wirklich alle bereit, etwas Organisatorisches beizutragen." (APA)

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