Mentale Landkarten vom Rheintal

1. Dezember 2004, 21:00
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Offener Planungsprozess zu neuem Leitbild

Wie funktioniert ein Raum wie das Rheintal, der sich aus 29 verschiedenen Gemeinden zusammensetzt? Was hat diesen Raum geprägt, wie soll das Zusammenleben gestaltet werden? Mit dem Projekt "vision rheintal" werden Antworten gesucht. Das neue Leitbild für das Rheintal soll nicht im Landhaus verordnet, sondern zuvor in einem "breiten Beteiligungsprozess" erarbeitet werden. In offenen Planungswerkstätten, den Rheintalforen.

120 Menschen aus verschiedenen Berufs- und Interessengruppen, darunter auch Wirtschaftslandesrat Manfred Rein (VP), skizzierten vergangenes Wochenende in einer halbtägigen Planungswerkstatt "mentale Landkarten". An 16 Planungstischen wurde reflektiert und diskutiert. Über besondere raumplanerische Ereignisse (wie Arlberg-Bahnbau, Rheinregulierung oder Bau der A14) und ihre Auswirkungen, über Orte, die das Zusammenleben bestimmen, und über Ideen, die man verwirklichen sollte.

Gefragt war weniger die fachliche oder von der jeweiligen Lobby bestimmte Sicht, als vielmehr die ganz persönliche Erfahrung. "Da kann man einiges dazulernen, wenn man mit den Ansichten eines Sozialarbeiters über die Wirtschaft konfrontiert wird", erkannte Landesrat Rein nach einer Runde am Planungstisch. Reins Ziel: "Alle Lebensbereiche müssen im Leitbild Berücksichtigung finden, nur dann kann Mehrwert für alle entstehen."

Die Foren sollen dazu beitragen, die "intensiven Interessenkonflikte" (Rein) zu mindern. "Stark zu spüren" sei "der große Konsens um das gemeinsame Ländle", merkte Architekt und Journalist Robert Fabach, einer der vielen Zugewanderten, an. Seine Beobachtung: "Die Problemfelder haben oft gar nichts mit konkreten Orten oder dem Raum zu tun, sondern mehr mit Gewohnheiten und der Alltagskultur der Leute." Dazu gehöre die Frage: "Wie lange ist man hier ein Migrant, wann gehört man wirklich dazu?"

Die "mentalen Landkarten" werden nun von Fachleuten aufgearbeitet, im Jänner soll mit dem Leitbildkonzept begonnen werden. (jub/DER STANDARD; Printausgabe, 1.12.2004)

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